27.11.2018: Fortsetzung der regulatorischen Reise – EZB veröffentlicht Aufsichtsprioritäten für 2019.

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Ebenso wie die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) (siehe Beitrag vom 13.11.2018 "Die regulatorische Reise geht weiter.") hat die Europäische Zentralbank (EZB) vor Kurzem ihre Pläne für das nächste Jahr veröffentlicht und die Aufsichtsprioritäten des Single Supervisory Mechanism (SSM) für 2019 zusammengefasst. Die Schwerpunkte für das kommende Jahr ergeben sich laut EZB aus den gegenwärtigen wirtschaftlichen, regulatorischen und aufsichtlichen Umfeld. Zusammen mit den zuständigen nationalen Behörden hat die EZB die Risikofaktoren im Bankensektor (siehe Risikobericht 2019 der EZB) ermittelt, mit Hilfe derer sie ihre Aufsichtsprioritäten überprüft und optimiert hat. Das erklärte Ziel der Priorisierung ist es, unter anderem die Wirksamkeit der Aufsicht zu steigern. Die Aufsichtsprioritäten stellen jedoch weder eine abschließende Aufzählung dar, noch werden alle Tätigkeitsbereiche genannt, an denen die EZB kontinuierlich arbeitet. Die wichtigsten Aufsichtsschwerpunkte der EZB für 2019 möchten wir in unserem Beitrag kurz vorstellen.

1. Kreditrisiko

Im kommenden Jahr sind Folgemaßnahmen zum Leitfaden für Banken zu notleidenden Krediten (NPL) geplant. In Zusammenarbeit mit den betroffenen Instituten will die EZB bankenspezifische aufsichtliche Erwartungen definieren und festhalten. Damit verfolgt die EZB das Ziel, die Altlasten von notleidenden Krediten in den Instituten weiter zu reduzieren.

Außerdem soll die Qualität der Kreditvergaberichtlinien der Banken mit besonderem Fokus auf neue Kredite beurteilt werden, um die damit verbundenen Risiken zu verringern. Gleichzeitig soll auch die Qualität von Engagements in bestimmten Bereichen, wie z.B. Immobilienengagements, im Rahmen von Vor-Ort-Prüfungen untersucht werden.

2. Risikomanagement

Die EZB möchte die unbegründete Variabilität bei risikogewichteten Aktiva verringern. Dafür wird sie im kommenden Jahr gezielt interne Modelle überprüfen (TRIM). Weitere Vor-Ort-Prüfungen zielen vor allem auf interne Modelle zur Beurteilung der Kreditrisiken von Engagements in mittleren und großen Unternehmen sowie Finanzinstituten und Spezialfinanzierungen ab. Wie wir in unserem Beitrag vom 17.10.2018 "EZB veröffentlicht Leitfaden zur Prüfung interner Modelle und Vor-Ort-Prüfungen." berichteten, hat die EZB im September 2018 einen Leitfaden zu den Vor-Ort-Prüfungen veröffentlicht, mit dessen Hilfe sich Institute auf die kommenden Prüfungen zumindest organisatorisch vorbereiten können.

Im Risikomanagement spielen zudem auch Kapital (ICAAP) und Liquidität (ILAAP) eine wichtige Rolle und sollen von der EZB auf Qualität geprüft werden. Laut der Pressemitteilung der EZB vom 09.11.2018 wurden die Endfassungen der Leitfäden bereits veröffentlicht und stehen den Instituten zur Verfügung. Ab dem 01.01.2019 werden die Leitfäden zum ICAAP und ILAAP Anwendung finden. Diese Leitfäden sind nicht rechtsverbindlich und ersetzen die im Januar 2016 veröffentlichten aufsichtlichen Erwartungen.

Im Rahmen von Vor-Ort-Prüfungen will sich die EZB mit IT- und Cyberrisken von Banken weiterhin beschäftigen und erwartet, dass die bedeutenden Institute ihre schwerwiegenden Cyber-Sicherheitsvorfälle der Aufsicht melden.

Schließlich wird sich der für 2019 geplante Stresstest der EZB auf die Widerstandsfähigkeit der Banken gegenüber Liquiditätsschocks konzentrieren.

3. Mehrere Risikodimensionen

Da im März 2019 der Brexit bevorsteht, wird die EZB beobachten, wie die Banken die Brexit-Pläne umsetzen, und sicherstellen, dass die Umsetzungen den aufsichtlichen Erwartungen entsprechen. Die EZB prognostiziert, dass eine Reihe von Instituten durch den Brexit erstmalig als bedeutend eingestuft werden und bereitet sich entsprechend darauf vor, die direkte Aufsicht über diese Banken zu übernehmen.

Auch in 2019 möchte die EZB weiterhin im Dialog mit den bedeutenden Instituten stehen, um einen Einblick über den aktuellen Stand ihrer Vorbereitungen zur geplanten Überprüfung des Handelsbuches (FRTB) zu erhalten. Die Banken sollen die erforderlichen Anpassungen vornehmen, damit ihre Systeme mit dem neuen Rahmenwerk für das Marktrisiko im Einklang stehen. Darüber hinaus plant die EZB mehrere Vor-Ort-Tätigkeiten mit dem Fokus auf Handels- und Marktrisikoaspekte.

Neben den genannten Aufsichtsprioritäten für 2019 bleiben die Prioritätenbereiche aus 2018 weitestgehend bestehen. Zudem wird die Umsetzung einiger Aufsichtstätigkeiten mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen. Die EZB sieht die Aufsichtsprioritäten als ein wichtiges Instrument an, um die Aufsicht der Banken weiter zu harmonisieren und besser zu koordinieren.

Es zeigt sich, dass auch im Jahr 2019 einige regulatorische Hürden auf die Institute zukommen werden. Wir empfehlen den Instituten, anhand der Aufsichtsprioritäten der EZB ihre regulatorischen Maßnahmen zu gewichten.

Als Spezialist in der Entwicklung, Implementierung sowie Optimierung von Risikomodellen im Finanzsektor stehen wir Ihnen beim Risikomanagement mit unserer Expertise zur Seite.

 

Quelle: EZB


 

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