18.12.2018: Stresstests als wichtiges Tool im Risikomanagement: Risiken als Chance nutzen.

Stresstest eines Luftballons

Am 17. Oktober 2018 veröffentlichte der Basler Ausschuss (BCBS) die neue Version der Grundsätze für Stresstests, die die Banken und Aufsichtsbehörden bei der Erstellung, Durchführung und Auswertung dieser berücksichtigen sollen. Erstmals veröffentlicht wurden die Grundsätze im Mai 2009. Nach fast 10 Jahren hat der Basler Ausschuss beschlossen, die Grundsätze zu überarbeiten, da Stresstests in den letzten Jahren eine zunehmende Bedeutung bekommen haben und sich die Gegebenheiten im Bankenumfeld stets im Wandel befinden. Im Laufe der Zeit haben sich mehr und mehr Arten von Risiken ergeben, denen die Banken ausgesetzt sind. Daher und um Banken vor Verlusten besser zu wappnen, sind Stresstests ein wichtiger Aspekt im Risikomanagement der Banken. Bereits im Dezember 2017 veröffentlichte der BCBS zu diesem Thema ein Konsultationspapier. Die Konsultation endete im März 2018 und der Entwurf wurde nun ohne wesentliche Änderungen übernommen.

Zuvor wurde zwischen 15 Prinzipien für die Banken und 6 Prinzipien für die Aufsichtsbehörden unterschieden. Mit der neuen Ausgestaltung der Grundsätze für Stresstests existieren nur noch 9 Prinzipien, die jeweils aus einem allgemeinen Teil sowie spezifischen Zusätzen für Banken und für Aufsichtsbehörden bestehen. In unserem Beitrag möchten wir die wichtigsten Punkte der von dem BCBS veröffentlichten Grundsätzen festhalten:

1. Das Rahmenwerk der Stresstests sollte klar formuliert sein und festgelegte Ziele enthalten. Beides sollte auf Vorstands- oder Leitungsebene genehmigt werden und mit der allgemeinen Governance-Struktur sowie dem Risikomanagement-Rahmen des Instituts im Einklang stehen.

2. Das Rahmenwerk sollte eine effiziente Vorgehensweise der Stresstestprozesse erlauben. Das heißt, dass die Organisationsstrukturen klar, umfassend und gut dokumentiert sein sollen. Zudem müssten die Rollen und Verantwortlichkeiten geregelt sein und die Vorgaben für die Szenarioentwicklung,-genehmigung und allgemeinen Validierungsabläufe im Rahmenwerk enthalten sein.

3. Stresstests sollten als Instrument des Risikomanagements verwendet werden und wichtigen geschäftlichen Entscheidungen zugrunde liegen. Der BCBS argumentiert, dass Stresstests als zukunftsweisendes Instrument im Risikomanagement ein wichtiger Beitrag für die Aktivitäten von Banken und Aufsichtsbehörden sind, insbesondere im Zusammenhang mit der Risikoidentifizierung, -überwachung und -bewertung. Wenn Stresstests als ein sinnvolles Tool eingesetzt werden, müssen sie regelmäßig und zu einem festgelegten Zeitplan stattfinden.

4. Stresstests müssen materielle und relevante Risiken erfassen. Bestimmt werden diese durch einen Risikoidentifizierungsprozess, welcher auch eine Risikobewertung beinhaltet. Entsprechend streng und vielseitig müssen die Stresstests am Ende sein.

5. Die Ressourcen sowie die Organisationsstruktur sollten dem Ziel des Testens entsprechend angemessen sein. Dies betrifft unter anderem die Bereitstellung von materiellen und personellen Ressourcen. Laut BCBS steigt der Bedarf an Fachkräften, Systemen und IT-Infrastruktur weiter an, da Stresstests mit der Zeit immer komplexer werden. Dies muss bei der Ressourcenplanung berücksichtigt werden.

6. Stresstestdaten sollten genau, vollständig und auf einer ausreichend granularen Ebene rechtzeitig verfügbar sein sowie durch robuste Dateninfrastruktur unterstützt werden, damit die Ergebnisse der Stresstests zuverlässig sind. Ferner muss die Infrastruktur der Banken flexibel genug sein, um Daten für sowohl interne als auch bankenaufsichtliche Stresstests zur Verfügung zu stellen.

7. Modelle und Methoden zur Bewertung der Auswirkungen von Stresstestszenarien und Sensivitäten sollten für den Zweck geeignet sein und entsprechend begründet sowie dokumentiert werden. Eine solide Modellentwicklung erfordert die Zusammenarbeit mit Experten.

8. Stresstestmodelle, Ergebnisse und Rahmenbedingungen sind regelmäßig zu überprüfen. Dies sind wichtige Schritte im Stresstestprozess und von entscheidender Bedeutung für die Verbesserung der Zuverlässigkeit der Ergebnisse.

9. Die Stresstestverfahren und -ergebnisse sind klar zu kommunizieren. Die Kommunikation von Stresstestaktivitäten zwischen relevanten internen und externen Stakeholdern kann sowohl für Banken als auch für Vorgesetzte von Vorteil sein. Die Weitergabe von Ergebnissen kann gegebenenfalls wichtige Perspektiven auf Risiken bieten, die anderen Banken oder Behörden sonst nicht zur Verfügung stehen würden.

Laut BCBS legen die Grundsätze keinen Standard fest. Dennoch erwartet der BCBS, dass international tätige Banken Stresstests als kritische Komponente eines soliden Risikomanagements einsetzen. Damit die Grundsätze in vielen Banken sowie Rechtsgebieten anwendbar sind, sind diese allgemein gefasst und können je nach Komplexität, Größe und Risikoprofil der Bank oder des Bankensektors in unterschiedlichem Maße Anwendung finden. So wird beispielsweise dargestellt, welche allgemeinen Grundlagen bzw. Kriterien und welche Faktoren bei der Konzeption, Umsetzung und Auswertung von Stresstests wichtig sind. Die Umsetzung bleibt jedoch den Banken und Aufsichtsbehörden überlassen, ebenso wie die Kontrolle. Somit bleibt es bei einer subjektiven Einschätzung der Banken und Aufsichtsbehörden, wie sie sich entsprechend der Grundsätze angemessen verhalten. Institute sollten sich Gedanken machen, welche Ziele sie verfolgen und die Stresstests in ihrem Risikomanagement entsprechend einbinden.

Ebenso wie der BCBS sehen wir Stresstests als ein wichtiges Tool im Risikomanagement eines Institutes an. Durch Stresstests lassen sich mögliche Risiken erkennen und ggf. verhindern. So können Risiken bei rechtzeitiger Erkenntnis auch als Chance genutzt werden. Wir von impavidi unterstützen Ihr Institut gerne dabei.

 

Quelle: BCBS


 

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