15.10.2018: Es hagelt Kritik am EBA-Leitlinienentwurf zum Outsourcing.

Auslagerung und Spielfiguren

Auslagerungen bleiben weiterhin ein viel diskutiertes Thema. Wie wir in unserem Newsbeitrag „Institute müssen sich auf höhere Anforderungen bei Auslagerungen einstellen.“ vom 15.08.2018 berichteten, veröffentlichte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) im Juni 2018 einen Konsultationsentwurf über Leitlinien zum Thema Auslagerungen. Zu diesem Leitlinienentwurf hat nun eine Vielzahl an Organisationen aus der EU die Gelegenheit ergriffen, Stellung zu nehmen. Aus deutscher Sicht sind es unter anderem die Deutsche Kreditwirtschaft, die Deutsche Börse Group, der Bundesverband der Zahlungsinstitute sowie die Deutsche Bank.

Wesentliche Kritikpunkte der verschiedenen Organisationen aus deutscher Sicht

Die Mehrheit der Organisationen begrüßt es, dass durch die neuen EBA-Leitlinien das Rahmenwerk für Auslagerungsvereinbarungen für alle europäischen Kreditinstitute, Wertpapierunternehmen, Zahlungsdienstleister und E-Geld-Institute vereinheitlicht wird, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Gleichzeitig werden die veralteten CEBS-Leitlinien von 2006 abgelöst. Allerdings merken die Organisationen an, dass in Zeiten des rasanten technologischen Wandels die neuen Leitlinien die Unternehmen nicht in ihrer Wettbewerbsfähigkeit hindern dürfen.

Einig sind sich die Organisationen darin, dass der Regelumfang des vorliegenden Leitlinienentwurfs im Vergleich zu den CEBS-Leitlinien oder den nationalen Vorgaben (z.B. den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) AT 9) um ein Vielfaches gestiegen ist. Sie prangern an, dass die vorgesehenen Outsourcing-Anforderungen zu weitreichend, zu detailliert und übermäßig belastend seien. In der Kritik stehen vor allem die Anforderungen an die Offenlegung, an die Risikobeurteilung der Auslagerungssachverhalte, an die Tests für Exit-Strategien sowie das Führen eines Registers über alle Auslagerungsaktivitäten. Die Deutsche Börse Group geht davon aus, dass die umfangreichen Anforderungen das Risiko bergen, alle mit Auslagerung verbundenen Vorteile zu gefährden, einschließlich den Zugang zu neuen Technologien, die Bündelung von Wissen und die Nutzung von Synergievorteilen innerhalb einer Gruppe.

Auf der anderen Seite stehen die EBA-Leitlinien für gesteigerte Transparenz – insbesondere für Auslagerungen innerhalb einer Gruppe.

Die neuen Leitlinien enthalten zwar Definitionen zum Outsourcing und nennen konkrete Fälle, die nicht als Auslagerung einzustufen sind. Nichtsdestotrotz bemängeln die Organisationen die Definitionen dahingehend, dass sie zu weit gefasst und teilweise unklar sind. Entsprechend wird eine engere und eindeutige Definition gefordert, welche sicherstellt, dass nur bestimmte Tätigkeiten, die mit dem Bankgeschäft zusammenhängen, als Auslagerung im Sinne der Leitlinien behandelt werden. Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, schlagen die Organisationen der EBA unterschiedlichste Definitionsänderungen vor. Sie sind der Meinung, dass ein angemessener Umgang mit Outsourcing mehr Flexibilität erfordert, um den Besonderheiten von Instituten und Zahlungsdienstleistern sowie den Besonderheiten der betreffenden Dienstleistungen, Tätigkeiten und Prozesse Rechnung zu tragen.

Weiterhin wird nach Meinung der verschiedenen Organisationen nicht klar abgegrenzt, welche Anforderungen für Auslagerungen im Allgemeinen gelten und welche Anforderungen speziell für kritische und wesentliche Auslagerungen bestehen. Eine klare Differenzierung wäre hier wünschenswert, da es ansonsten zu einer massiven Ausweitung des Verwaltungsaufwandes für die betroffenen Institute kommen könnte und dementsprechend der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt werden würde.

Auch die Anforderungen an Auslagerungen innerhalb einer verbundenen Gruppe sind zu streng gefasst. Einige Organisationen werfen der EBA gar vor, dass sie die Realität des Outsourcings innerhalb von Gruppen verkennt. Laut der Banking Stakeholder Group und der Deutschen Kreditwirtschaft sind Auslagerungen innerhalb verbundener Gruppen nicht risikoreicher, wie es die EBA glaubt, sondern risikoärmer. Daher sind sie der Meinung, dass die hohen Anforderungen der EBA in solchen Fällen weniger relevant oder sogar unangemessen sind. Im Vergleich zu Auslagerungen an sonstige Dritte sollten die Anforderungen an gruppeninterne Auslagerungen geringer sein.
Aus unserer eigenen Praxiserfahrung können wir den ungewöhnlichen Vorstoß der EBA jedoch nachvollziehen: Die Handlungsmöglichkeiten einer Gesellschaft, die Prozesse an die Muttergesellschaft auslagert, sind im Vergleich zu einer Auslagerung an sonstige Dritte, die rein vertragsgebunden und nicht konzernpolitisch agieren, im Allgemeinen eingeschränkter. Aus Sicht der kritisierenden Organisationen, die maßgeblich die Meinung von Konzernobergesellschaften vertreten, sind die Anmerkungen durchaus angebracht.

Schließlich wird die Meinung vertreten, dass die vermehrten Dokumentations- und Informationspflichten, welche die Institute nach dem jetzigen Stand zukünftig erfüllen müssten, deutlich zu weit gehen. Der Nutzen dieser Informationen würde nicht im Verhältnis zum Aufwand stehen. Besonders kritisch wird gesehen, dass Institute der Aufsicht vorab melden müssen, wenn sie planen, eine kritische und wichtige Funktion auszulagern oder wenn sich eine bestehende, unkritische Auslagerung zu einer kritischen und wichtigen Auslagerung umwandelt. Diese Meldungen an die Aufsicht seien in nationalen Vorgaben wie der MaRisk nicht vorgesehen und würden in Zukunft den Verwaltungsaufwand um ein Vielfaches erhöhen.

Wie geht es weiter?

Eine zeitnahe Veröffentlichung der finalen Leitlinien – wie zunächst angenommen – rückt womöglich in weite Ferne. Die Vielzahl an Kritikpunkten, die ausschnittweise in unserem Beitrag dargestellt wurden, zeigt, dass ein erheblicher Anpassungsbedarf am Leitlinienentwurf zum Outsourcing besteht. Es bleibt abzuwarten, ob die EBA ihren Kurs hält und die umfangreichen Anforderungen in ihren finalen Leitlinien beibehält oder ob Anforderungen aufgeweicht oder gar herausgenommen werden. Trotz alledem sollten Institute vorbereitet sein und ihr Auslagerungsmanagement auf mögliche Lücken prüfen.

Unser impavidi Team unterstützt Ihr Kreditinstitut bei der Analyse der individuellen Anforderungen der EBA-Leitlinien zum Outsourcing sowie bei der Anpassung Ihres Auslagerungsmanagements.


 

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