01.08.2018: Hedge Accounting – die wesentlichen Neuerungen nach IFRS 9

Abakus

Der neue Rechnungslegungsstandard für Finanzinstrumente (International Financial Reporting Standard - IFRS 9) musste spätestens mit Beginn des ersten am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnenden Geschäftsjahres verbindlich angewendet werden. Lediglich bei der Bilanzierung von Sicherungsgeschäften (Hedge Accounting) können die Unternehmen noch zwischen zwei Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden wählen. Entweder erfüllen die Unternehmen die neuen Anforderungen von IFRS 9 vollumfänglich oder sie bleiben beim „alten System“ des International Accounting Standards (IAS) 39. Allerdings ist es nicht absehbar, wie lange diese Übergangsregelung gilt. Über kurz oder lang müssen alle Unternehmen die neuen Regelungen im Hedge Accounting gemäß IFRS 9 umsetzen. Dementsprechend sollten Unternehmen, die zurzeit das bisherige Hedge-Accounting-Modell des IAS 39 anwenden, eine vollständige Umstellung auf IFRS 9 als potenzielle Chance erwägen, bevor es zu „Compliance-Einschränkungen“ kommt.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

Sollte sich ein Unternehmen entscheiden, sein Hedge Accounting nach IFRS 9 umzustellen, ergeben sich einige Änderungen, die der folgenden Abbildung zu entnehmen sind.

Hedge Accounting nach IFRS 9

Quelle: impavidi GmbH

Es wird der neue Ansatz verfolgt, das Hedge Accounting mit dem Risikomanagement des Unternehmens enger zu verzahnen, um es in der Bilanzierung realitätsnaher abbilden zu können.

Zukünftig werden viel mehr Finanzinstrumente als Hedgegeschäft nach IFRS 9 anerkannt, indem manche Elemente der Sicherungsinstrumente u.U. auch als Teil der Sicherungsbeziehung berücksichtigt werden können, auch wenn sie nicht selbst als finanzielle Vermögenswerte zu qualifizieren sind. Dies setzt voraus, dass die Risikokomponenten getrennt zu identifizieren und verlässlich zu bewerten sind.

Nettopositionen und kumulierte Risikopositionen können zukünftig designiert werden. Diese dürfen neben den klassischen Basisgeschäften auch Derivate enthalten.

Im Rahmen der IFRS 9 wird der Umfang der erforderlichen Effektivitätsmessungen reduziert. Ein retrospektiver Effektivitätstest ist nicht mehr notwendig. Zukünftig wird die Wirksamkeit der Sicherungsbeziehung nur noch prospektiv (vorausschauend) anhand verschiedener qualitativer Kriterien beurteilt.

Anstelle der bisherigen Auflösung der Sicherungsbeziehung mit anschließender Neudesignation wurde die Rekalibrierung von Sicherungsbeziehungen eingeführt. Sie bewirkt, dass Sicherungsbeziehungen künftig nachträglich angepasst werden können, wenn die Sicherungsquote verändert wird, z. B. bei einer veränderten Korrelation zwischen Grundgeschäft und Sicherungsinstrument.

Schließlich haben sich durch IFRS 9 die Offenlegungs- und Dokumentationspflichten für Unternehmen deutlich erhöht. So schreibt die EBA-Leitlinie EBA/GL/2018/01 allen Instituten vor, welche die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS anwenden oder für die Bilanzierung ihrer Vermögenswerte das sogenannte „Expected Credit Loss Modell (ECL)“ einsetzen, sowohl qualitative als auch quantitative Informationen offenzulegen. Sie enthält ein Template zur Offenlegung der quantitativen Meldeeinheiten, in welcher die Institute die entsprechenden Anforderungen sowohl unter der Berücksichtigung der Übergangsregelungen als auch unter der finalen Anwendung von IFRS 9 erfüllen müssen. Es ist davon auszugehen, dass die quantitative Offenlegung keinen zusätzlichen Mehraufwand für die Institute bedeutet, da die neue Vorlage sich an vorherige Meldevordrucke des aufsichtlichen Meldewesens orientiert. Hingegen fordert die qualitative Berichtserstattung, die parallel zur quantitativen Offenlegung zu erfüllen ist, zusätzliche Meldungen der belasteten Vermögenswerte (AE), erhaltenen Sicherheiten und verbundenen Verbindlichkeiten. Hierfür ist beispielsweise die Beschreibung der Belastungsquote und deren Zusammensetzung notwendig. Überdies müssen die Hauptbetreiber der Belastungsquote offengelegt werden. Dieser Aspekt der neuen Offenlegungspflicht erfordert von den Instituten vermehrte Anstrengungen.

Unternehmen, die noch das alte System nutzen, sollten prüfen, ob sich der Umstieg auf IFRS 9 für Hedge Accounting lohnt. impavidi steht Ihnen als Partner für alle IFRS 9 relevanten Fragen zur Seite und unterstützt Ihr Institut bei der Umsetzung Ihres IFRS 9 Projektes. Dabei können Sie von unseren Erfahrungen aus vergangenen IFRS 9 Projekten profitieren.


 

Zurück