27.07.2018: Die Offenlegung der Liquiditätsdeckungsquote wird bald von kleinen deutschen Instituten verlangt.

Offen gelegte Karten

Seit Verabschiedung der Kapitaladäquanzverordnung (Capital Requirements Regulation – CRR) im Juni 2013 haben sich die Anforderungen an die Offenlegungspflichten für Kreditinstitute in Europa verschärft. In diesem Zusammenhang veröffentlichte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am 20.07.2018 ein Konsultationsentwurf des Rundschreibens zur Offenlegung der Liquiditätsdeckungsquote (Liquidity Coverage Ratio - LCR), wodurch auch kleine Institute in Deutschland verpflichtet werden, die LCR offenzulegen. Hiermit kommt die BaFin ihrer Pflicht nach, die Leitlinien EBA/GL/2017/01 der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) in nationales Recht umzusetzen.

Die Vorgaben des BaFin-Rundschreibens betreffen sämtliche Kreditinstitute, die gem. Art. 431 bis 464 CRR zur Offenlegung verpflichtet sind und ebenso in den Adressatenbereich der delegierten Verordnung (delVO) 2015/61 fallen. Im Rundschreiben stellt die BaFin zwei Formatvorlagen für die qualitative und quantitative LCR-Offenlegung zur Verfügung. Die quantitativen Vorgaben im Anhang I beziehen sich auf Risikomanagementziele und Liquiditätsstrategien der Institute. Zu den wichtigsten quantitativen Anforderungen des Meldeformats im Anhang II zählen etwa der Ausweis des bereinigten Gesamtwerts des Liquiditätspuffers, Nettomittelabflüsse sowie Liquiditätsdeckungsquote, die jeweils entsprechend der Werte der Positionen „Liquiditätspuffer“ in der Zeile 010-ID 1, „Nettoliquiditätsabfluss“ in der Zeile 020-ID 2 sowie „Liquiditätsdeckungsquote“ in der Zeile 030-ID3 des Meldebogens C76.00 zu befüllen sind und daher keinen zusätzlichen Aufwand für Institute zufolge haben.

Zu den qualitativen Vorgaben des Anhangs II zählen der Ausweis der „ungewichteten“ und „gewichteten“ Zahlungsmittelzuflüsse und -abflüsse sowie „gewichteten hochliquiden Aktiva“, die den Durchschnittwert der vier vergangenen Kalenderquartale vor dem Meldestichtag und unabhängig von der Währungseinheit entsprechen.

Als „ungewichteter Wert“ ist der Saldo der ausstehenden Forderungen, Verbindlichkeiten und außerbilanziellen Positionen des Instituts zu verstehen. Der „gewichtete Wert“ ist der Ausdruck des Werts der Zahlungsmittelzuflüsse und -abflüsse nach Anwendung der vorgegebenen Raten in der delVO 2015/61. Dieser Wert ist für die „gewichteten hochliquiden Aktiva“ unter der zusätzlichen Berücksichtigung der Abschläge der genannten delVO für hochliquide Aktiva anzuwenden.

Hingegen müssen die nicht global systemrelevanten Institute (G-SRI) und die nicht anderen systemrelevanten Institute (A-SRI) die LCR-Offenlegungsanforderungen nicht vollumfänglich erfüllen. Sie dürfen lediglich die quantitativen Anforderungen „bereinigter Gesamtwert“ des Liquiditätspuffers, der Gesamtmittelabflüsse und der Liquiditätsdeckungsquote (%) im Meldeformat des Anhangs II offenlegen.

Das Rundschreiben wird bei Annahme für die Offenlegung per 31.12.2018 und somit für die jährliche Offenlegungspflicht einschlägig sein. Die Konsultationsphase endet am 31.08.2018. Mit einer zügigen Finalisierung des Rundschreibens ist zu rechnen, um den vorgeschlagenen Termin für den ersten Stichtag der Offenlegung einhalten zu können.

Unser impavidi Team unterstützt Sie gerne bei der Analyse und Umsetzung der Offenlegungsanforderungen sowie bei der Erstellung eines rechtskonformen Offenlegungsberichts.


 

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