01.10.2019: EZB passt aufsichtliche Erwartungen zur Risikovorsorge für notleidende Kredite an.

Kreditkarten

In ihrer Jahresplanung für 2019 hatte die Europäische Zentralbank (EZB) bereits Folgemaßnahmen zu ihrem Leitfaden für bedeutende Banken zu notleidenden Krediten (Non-Performing Loans, NPL) angekündigt. Mit ihrem Leitfaden, der im Jahr 2018 um aufsichtliche Erwartungen an die Risikovorsorge ergänzt wurde, verfolgte die EZB das Ziel, die Anzahl der notleidenden Kredite in den Bilanzen der europäischen Banken zu verringern, um gleichzeitig die Wirtschaft zu stärken. Sie definierte darin ihre Erwartungshaltung, wie die bedeutenden Kreditinstitute mit ihren NPL-Beständen umzugehen haben, insbesondere wenn diese sehr hoch sind. (Erfahren Sie mehr über den NPL-Leitfaden der EZB in unserem Beitrag „EZB fordert von Banken Strategien im Umgang mit notleidenden Krediten.“ vom 02.05.2017.)

In der Zwischenzeit wurde am 25.04.2019 die Verordnung (EU) 2019/630 zur Änderung der Capital Requirements Regulation (CRR) Verordnung (EU) Nr. 575/2013 hinsichtlich der Mindestdeckung notleidender Risikopositionen (Non-Performing Exposures, NPE) im europäischen Amtsblatt veröffentlicht. Die neue EU-Verordnung ergänzt bestehende aufsichtsrechtliche Vorschriften und legt fest, wie mit NPEs, die aus seit dem 26.04.2019 vergebenen Krediten entstehen, nach Säule 1 zu behandeln sind. Sie sieht vor, dass Eigenmittel abgezogen werden, wenn die NPEs nicht ausreichend durch Rückstellungen oder sonstige Anpassungen gedeckt sind. Die beschriebene Behandlung der notleidenden Kredite nach Säule 1 gelten für alle in der EU niedergelassenen Institute.

Die Veröffentlichung der neuen EU-Verordnung zur Änderung der CRR nahm die EZB zum Anlass, ihre aufsichtlichen Erwartungen an die Risikovorsorge für neue NPEs zu überprüfen und ggf. anzupassen. Am 22. August 2019 brachte sie die Mitteilung zu den Erwartungen der Aufsicht an die Deckung von NPEs (Communication on supervisory coverage expectations for NPEs) heraus. Einerseits beabsichtigte die EZB, die Vorgaben der neuen EU-Verordnung zum Risikovorsorge-Backstop in ihre Erwartungen an die Risikovorsorge für notleidende Kredite zu integrieren. Andererseits wollte die EZB mit ihrer Überprüfung jegliche Überschneidungen sowie Unterschiede identifizieren und entsprechende Lösungen aufzeigen, um den Kreditinstituten die Berechnung der Risikovorsorge für neue NPEs zu erleichtern.

Zwei wesentliche Anpassungen wurden vorgenommen:

  1. Der Anwendungsbereich der aufsichtlichen Erwartungen der EZB beschränkt sich auf NPEs aus Darlehen, die vor dem 26.04.2019 vergebenen wurden. Diese werden nicht durch die Säule 1, sondern durch die Säule 2 reguliert.

  2. Die Anforderungen an Kredite, die nach dem 01.04.2018 und vor dem 26.04.2019 als notleidend klassifiziert wurden, wurden in Bezug auf Zeitspannen, progressive Annährung an eine vollständige Umsetzung und Aufgliederung von besicherten Risikopositionen an die NPE-Regelungen der Säule 1, die in der neuen CRR dargelegt sind, angepasst.

Alle weiteren aufsichtlichen Behandlungen aus dem NPL-Leitfaden sowie aus der Ergänzung von 2018 bleiben unverändert. Schließlich betont die EZB, dass ihre Erwartungen im Bezug auf den NPE-Bestand – Kredite, die am 31.03.2018 als notleidend eingestuft wurden – weiterhin den Erwartungen entsprechen, die sie in ihrer Pressemitteilung im Juli 2018 darlegte.

Wir begrüßen, dass die EZB ihre aufsichtlichen Erwartungen an die Risikovorsorge an NPEs an die neuen Anforderungen der CRR II angepasst hat. Diese Anpassungen führen einerseits zu mehr Klarheit, was die bedeutenden Kreditinstitute zukünftig beim Umgang mit notleitenden Krediten zu beachten haben. Andererseits verspricht die EZB damit, dass die aufsichtliche Risikovorsorge für neue NPEs leichter zu berechnen ist. Das impavidi Team steht Ihnen beim Thema „notleidender Kredite“ als Experte zur Seite.

Quelle: EZB


 

Zurück