07.03.2019: FRTB: Basler Marktrisikorahmenwerk wird erneut justiert

Untersuchung mit Lupe

Zu Beginn des Jahres beschloss das Leitungsgremium des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, die Gruppe der Zentralbankpräsidenten und Leiter der Bankenaufsichtsinstanzen (Group of Governors and Heads of Supervision – GHoS), Änderungen am Basler Marktrisikorahmenwerk mit Wirkung zum 01. Januar 2022 vorzunehmen. Die überarbeiteten Standards zur Berechnung des Marktpreisrisikos wurden am 14. Januar 2019 veröffentlicht.

Bereits zu Beginn 2016 wurde das Rahmenwerk zum Markpreisrisiko revidiert. Ziel des Rahmenwerkes war es, das Handels- und das Bankbuch besser voneinander abzugrenzen. Mithilfe interner Modelle sollten Risiken auf eine optimierte Art zusammenhängend und vollständig erfasst werden. Dies sollte ermöglichen, die während der Krise 2007-2009 beobachteten Risiken besser anzugehen. In diesem Zusammenhang wurden auch die aufsichtsrechtlichen Genehmigungsverfahren für die Verwendung interner Modelle verstärkt. Sicherungsmechanismen und diversifizierte Portfolien wurden risikogerechter berücksichtigt.

Basierend auf der Überwachung der Umsetzung sowie der erwarteten Auswirkungen des Rahmenwerkes hatte der BCBS Fragen ermittelt, die vor der finalen Umsetzung angesprochen werden mussten. Daher kündigte die GHoS im Dezember 2017 eine Verlängerung der Umsetzung des Rahmenwerkes vom 01. Januar 2019 bis zum 01. Januar 2022 an. Daraufhin folgte im März 2018 eine Konsultation. Unter Einbezug der Rückmeldungen zum Konsultationspapier einigte sich das Komitee im November 2018 darauf, das Rahmenwerk erneut unter die Lupe zu nehmen. Das neue Rahmenwerk soll auch die Daten aus dem 2017er und 2018er Basler Auswirkungsstudien berücksichtigen. Darüber hinaus hat die GHoS ein Erklärungspapier veröffentlicht, welches die Änderungen gegenüber den heutigen Anforderungen erläutert sowie Anwendungsbeispiele für den Standardsatz zur Anpassung von Risikogewichten aufzeigt.

Wesentliche Änderungen beinhalten:

  1. Einführung eines vereinfachten Standardsatzes für Banken mit geringen Handelsaktivitäten:

Für Banken mit geringen Handelsaktivitäten wird der derzeitige Basel-II.5-Standardansatz als vereinfachte Alternative zum überarbeiteten Standardansatz beibehalten, vorbehaltlich der Anwendung spezifizierter Skalen, um eine ausreichend konservative Anpassung der Eigenkapitalanforderungen für diese Banken zu gewährleisten.

  1. Eine klare Handelsbuchabgrenzung:

Im Gegensatz zum Ansatz von 2016 gibt es im Wesentlichen Verfeinerungen und Klarstellungen in drei Bereichen:

  • Klarstellung bzgl. der Abgrenzung zwischen Handels- und Bankbuch: So wird beispielsweise klarer formuliert, welche Anforderungen Vorrang haben, wenn ein Finanzinstrument sowohl der Liste der Instrumente, die in einem bestimmten Buch enthalten sein müssen als auch der Liste der Instrumente, die voraussichtlich in einem anderen Buch enthalten sein werden, zugeordnet werden kann.
  • Behandlung von Anlagen in Fonds: Hier verschafft das neue Rahmenwerk mehr Klarheit über die notwendigen Kriterien für die Zuordnung von Investmentfonds zum Handelsbuch.
  • Die Zuordnung zum Handelsbuch für Underwriting wurde explizit auf Wertpapier-Underwriting eingeschränkt und bezieht sich nur auf Wertpapierpositionen, von denen die Bank auch erwartet, sie zu kaufen.
  • Direkte Immobilienbestände und Derivate sind verpflichtend dem Anlagebuch zuzuordnen.
  • Hedgefonds sind als separater Punkt in der Anlagebuchliste zu führen.
  1. Fremdwährungspositionen:
  • Behandlung von strukturellen Fremdwährungspositionen: Um eine bessere Abstimmung mit den Risikomanagementpraktiken der Banken zu erreichen, wird im geänderten Rahmenwerk die Obergrenze für den Betrag überarbeitet, der dazu dient, Schwankungen der risikobasierten Eigenkapitalquote der Bank aufgrund von Wechselkursschwankungen zu neutralisieren.
  1. Anpassungen von Risikogewichten im Standardansatz

Die Liste liquider Währungspaare wurde erweitert, indem zwei Währungen, die als liquide gegenüber einer gemeinsamen dritten Währung gelten, auch als untereinander liquide angesehen werden. Für das Aktienrisiko und die Credit-Spread-Risikoklassen wurden jeweils zusätzliche Buckets für Indizes hinzugefügt.

  1. Anpassung der Anforderungen zur Identifizierung von Risikofaktoren durch interne Modelle

Gegenüber dem Ansatz für interne Modelle von 2016 wurden in der Überarbeitung vom Januar 2019 weitere Änderungen vorgenommen. Bei der Überwachung der Umsetzung des Ansatzes von 2016 zeigten sich einige Umsetzungsprobleme. Dazu wurden gezielte Änderungen eingeführt, wie beispielweise die P&L Attribution (PLA) Testmetrik und Fehlerfolge sowie die NMRF-Bedingungen (Non-modellable risk factors) und der Kapitalisierungsansatz. Die Gesamtstruktur wurde jedoch nicht geändert.

Genauere Informationen zu den Änderungen können Sie dem Erklärungspapier des BCBS entnehmen. Die Umsetzung der Anpassungen des FRTB-Rahmenwerkes in europäisches Recht erfolgt durch die derzeitige Überarbeitung der europäischen Eigenmittelverordnung (Capital Requirements Regulation – CRR). Inwiefern die Anpassungen des Basler Marktrisikorahmenwerkes die Umsetzungsbestrebungen der Kreditinstitute positiv beeinflusst, bleibt abzuwarten.

Als Spezialist in der Entwicklung, Implementierung und Optimierung von Risikomodellen ist impavidi Ihr kompetenter Beratungspartner auf dem FRTB-Weg von der Konzeption bis zur finalen Umsetzung, von der Anpassung von Prozessen und Policies bis hin zur Überarbeitung der Geschäfts- und Risikostrategie.

 

Quelle: BaFin, BCBS


 

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