26.02.2020: EBA berät zur Behandlung von Anlagebuchpositionen mit Fremdwährungs- und Rohstoffrisiken.

Wechselkursschwankungen auf Bildschirm

Mitte Januar 2020 veröffentlichte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) ein Konsultationspapier zum Entwurf technischer Regulierungsstandards (Regulatory Technical Standards, RTS) zum Umgang mit Anlagebuchpositionen, die einem Fremdwährungs- oder Rohstoffrisiko nach Artikel 325 Absatz 9 CRR II unterliegen. In Übereinstimmung mit diesem Artikel möchte die EBA in den RTS spezifizieren, wie Institute ihre Eigenmittelanforderungen für das Marktrisiko bezüglich der oben genannten Anlagepositionen nach dem alternativen Standardansatz (Alternative Standardised Approach, SA) und dem alternativen internen Modellansatz (Alternative Internal Model Approach, IMA) berechnen können.

Hintergrund der Änderungen:

Im Dezember 2017 veröffentlichte die EBA ein Diskussionspapier zur Umsetzung der überarbeiteten Standards für Marktrisiken und Gegenparteirisiken. Wichtige Diskussionspunkte waren hierbei die technischen und operativen Herausforderungen für die Umsetzung des Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) und des Standardansatzes für Kontrahentenausfallrisiken (Counterparty Credit Risk, SA-CCR). Aus dieser Konsultation entnahm die EBA als Umsetzungsproblematik die Behandlung von Anlagepositionen, die dem Fremdwährungs- und Rohstoffrisiko unterliegen. Diese Positionen sollten Institute im Rahmen von Basel 2.5 über die Eigenkapitalanforderungen für Marktrisiken erfassen. Über das Diskussionspapier zeigte sich, dass die Institute weniger ein Problem bei der Identifizierung dieser Positionen haben als vielmehr, dass sich die Probleme bei der Berechnung des Fremdwährungsrisikos dieser Positionen für die Institute ergeben.

Folgende Punkte werden in den RTS spezifiziert:

  1. Die RTS legen den Wert der Anlagebuchpositionen fest, den die Institute für die Berechnung der Eigenmittelanforderungen für das Marktrisiko bezüglich der Positionen, die einem Fremdwährungs- oder Rohstoffrisiko unterliegen, verwenden sollten. Für Positionen, die mit einem Fremdwährungsrisiko behaftet sind, sollen die Institute bei der Berechnung entweder
    • den letzten verfügbaren Buchwert oder
    • den letzten verfügbaren Fair Value

    verwenden. Zwar sind die Institute nicht verpflichtet, eine tägliche Neubewertung bei Positionen mit Fremdwährungsrisiko durchzuführen, jedoch sind sie angehalten, täglich die Änderungen der Fremdwährungskomponenten in der Berechnung widerzuspiegeln. Darüber hinaus müssen die Institute für Positionen mit Rohstoffrisiken eine tägliche Ermittlung des Fair Values durchführen.

  2. In Bezug auf nicht-monetäre Positionen, die zu den Anschaffungskosten gehalten werden und aufgrund von Änderungen des relevanten Wechselkurses beeinträchtigt sind, legen die RTS eine spezifische Methode im Rahmen des SA fest, die Institute für die Kapitalisierung des Wechselkursrisikos anwenden sollen. Gleichzeitig verlangen die RTS von den Instituten, das Risiko einer Wertminderung aufgrund von Änderungen des relevanten Wechselkurses direkt zu modellieren, wenn das Institut das Wechselkursrisiko dieser Position mit Hilfe des internen Modellansatzes kapitalisiert.

  3. Zum Zwecke des Backtestings und der Anforderungen an die Gewinn- und Verlustzuweisung schreiben die RTS eine Ad-hoc Behandlung hinsichtlich der Berechnung der tatsächlichen und hypothetischen Änderungen von Anlagebuchpositionen vor, um das Problem von Wertsprüngen im Portfolio anzuzeigen.

Standard Approach (SA):

Die CRR II legt die Schlüsselaspekte fest, die die Institute bei der Berechnung der Eigenmittelanforderungen für das Fremdwährungs- und Rohstoffrisiko nach dem SA beachten sollen. So müssen beispielsweise Handelsbuchpositionen nach dem Fair Value auf täglicher Basis neu bewertet werden. Bisher fehlten jedoch die Anforderungen an die Bewertung der Bankbuchpositionen im Zusammenhang mit der Berechnung der Eigenmittelanforderungen für das Marktrisiko. Die EBA schlägt vor, dass die Institute den buchhalterischen Wert vom Bankbuch als Grundlage für die Berechnung der relevanten Risikomaße verwenden sollen, welche zur Ermittlung der Eigenmittelanforderungen für das Marktrisiko erforderlich sind. Institute, die ihre Bankbuchpositionen vierteljährlich zum Fair Value bewerten, können diese anstelle des Bankbuchhaltungswertes als Grundlage für die Berechnung der Eigenmittelanforderungen für das Marktrisiko verwenden. Voraussetzung hier ist jedoch Konsequenz und nichtsdestotrotz die von der EBA gewünschte Verpflichtung, die Fremdwährungskomponenten von Anlagebuchposition täglich zu aktualisieren. Für die Berechnung des Deltas gibt die EBA ein Rechenbeispiel an.

Positionen einer Fremdwährung, welche zu den Anschaffungskosten gehalten werden, unterliegen einem Wechselkursrisiko und könnten durch starke Wechselkursschwankungen negativ betroffen sein. Artikel 325q Absatz 1 CRR II spezifiziert die Wechselkursgebühr für währungsempfindliche Instrumente, die somit auch in den Anwendungsbereich der Instrumente fallen, die für die Eigenmittelanforderungen für das Wechselkursrisiko gelten. Nicht-monetäre Positionen, die zu den Anschaffungskosten verbucht werden, ändern ihren Bilanzwert nicht mit den Wechselkursschwankungen. Beim Anzeichen einer Wertminderung ist der Buchwert eines Vermögenswertes jedoch der niedrigere Wert seines Buchwertes vor der Berücksichtigung möglicher Wertminderungsverlustes und seines erzielbaren Betrags. Die EBA räumt ein, dass diese sensitivitätsbasierte Methode möglicherweise nicht für die Berechnung der Eigenmittelanforderungen für das Wechselkursrisiko aus nicht-monetären Positionen, die zu den Anschaffungskosten gehalten werden, geeignet ist. Dennoch sei es wichtig, dass das Währungsrisiko dieser Positionen unter den Anforderungen der Säule I erfasst wird und schlägt daher vor, die Positionen zu den Anschaffungskosten als linear zum Devisenkurs abhängig zu behandeln und die Fremdwährungskomponente täglich zu aktualisieren.

Bei der Bewertung nach dem SA von Anlagebuchpositionen, die einem Rohstoffrisiko unterliegen, schlagen die RTS eine täglich Ermittlung des Fair Values vor.

Internal Model Approach (IMA):

Laut EBA ist es wünschenswert, gemeinsame Bestimmungen für die Bewertung von Anlagebuchpositionen, die einem Fremdwährungsrisiko zwischen SA und IMA zu haben, da der SA als Ausweichmöglichkeit für IMAs gelten soll. Gleiches gilt für die Anlagebuchpositionen, die einem Rohstoffrisiko unterliegen. Ausnahme hier sei allerdings, laut EBA, die Behandlung von nicht-monetären Positionen, die zu den Anschaffungskosten gebucht werden. Hier schlägt die EBA eine andere Vorgehensweise bei der Anwendung des IMAs vor. Da, wie oben erwähnt, nicht-monetäre Positionen zu den Anschaffungskosten ihren Bilanzwert bei kleineren Wechselkursschwankungen nicht ändern, jedoch beim Anzeichen von Wertminderung der Buchwert eines Vermögenswertes der niedrigere Wert seines Buchwertes vor der Berücksichtigung möglicher Wertminderungsverlustes ist, kann es in bestimmten Fällen bei einer Bewegung des Wechselkurses auch zu wechselkursbedingten Verlusten in Bezug auf nicht-monetäre Positionen kommen, die zu den Anschaffungskosten gebucht werden. Daher sollen Institute bei der Kapitalisierung des Wechselkursrisikos aus nicht-monetären Positionen zu den Anschaffungskosten dies durch die Modellierung des Risikos vornehmen, welches aufgrund von Änderungen des relevanten Wechselkurses beeinträchtigt würde.

Des Weiteren gibt es eine Einschränkung bei der Anwendung des IMAs in Bezug auf Positionen, die den klassischen Handelsbereichen zugeordnet sind. Das Konzept fiktiver Handelsbereiche wurde in die endgültigen FRTB-Standards aufgenommen. Die CRR sieht jedoch bestimmte Anforderungen für alle Handelsbereiche bei der Berechnung der Eigenmittelanforderungen für das Marktrisiko vor, ohne spezifische Regelungen oder Ausnahmen für fiktive Handelsbereiche. Nur Positionen, die dem Handelsbereich zugeordnet sind und die in Artikel 325az festgelegten Bedingungen erfüllen, dürfen mit Hilfe des IMAs kapitalisiert werden.

Folgend müssen Institute, wenn sie eine Bankbuchposition im IMA aufnehmen möchten, das Fremdwährungs- und Rohstoffrisiko, das sich daraus ergibt, über klassische Handelsbereiche verwalten. Der RTS-Entwurf enthält keine spezifischen Bestimmungen zu fiktiven Handelsbereichen. Die zukünftige CRR III soll die FRTB-Standards vollständig umsetzen. Es wird erwartet, dass die in den Baseler Standards vorgesehene Möglichkeit, fiktive Handelsbereiche zu bilden als Teil des Level 1 Textes aufgenommen wird. Wenn das geschieht, wird die EBA erneut überprüfen, ob die RTS einer Anpassung bedürfen.

Spezifikationen zu HPL (hypothetische Veränderungen) und APL (tatsächliche Veränderungen):

Der RTS-Entwurf verlangt keine tägliche faire Bewertung der Positionen, die ein Wechselkursrisiko tragen. Stattdessen ist für Fremdwährungsrisiko behaftete Positionen lediglich die Fremdwährungskomponente erforderlich. Daher werden Institute, die ihre Bankbuchpositionen vierteljährlich fair bewerten, Schwankungen im Wert ihres Portfolios beobachten, die nicht durch Fremdwährungsrisikofaktoren ausgelöst wurden. Daher erachtet die EBA eine Definition von HPL und APL als wichtig, um das Problem von Bewertungssprüngen zu lösen, die eine Überzeichnung des Risikos in der Validierung verursachen, selbst wenn sie nicht auf Veränderung der Fremdwährungskomponente zurückzuführen sind. Dafür führt die EBA im Konsultationspapier eine Rechenformel auf.

Die Konsultation der RTS läuft bis zum 10. April 2020.

Unser impavidi-Team steht Ihnen gerne beratend zur Seite und hält Sie zum Ausgang des Konsultationsprozesses auf dem Laufenden.


 

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