31.01.2020: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Finanzkriminalität sind für 2020 die Treiber der deutschen Bankenaufsicht.

Aufsichtsschwerpunkte, Skyline Franfurt

Nachdem die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und die Europäische Zentralbank (EZB) im Herbst 2019 ihre Arbeitsprogramme bzw. Aufsichtsprioritäten für 2020 der Öffentlichkeit präsentierten, zieht nun auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nach. Zum Jahresanfang 2020 veröffentlichte die BaFin ihre Aufsichtsschwerpunkte für 2020, die aus den strategischen Zielen der BaFin abgeleitet wurden und die Aufsichts- und Prüfungsplanung für dieses Jahr prägen werden.

Die vier übergeordneten Aufsichtsschwerpunkte für 2020 basieren hauptsächlich auf zwei wesentlichen Faktoren des Wandels der Finanzindustrie: die fortschreitende Digitalisierung sowie Internationalisierung.

Wie auch im vergangenen Jahr bleiben die Digitalisierung, IT und Cyberrisiken ein Thema, mit dem sich die BaFin zukünftig beschäftigen muss. Die BaFin verfolgt ihre eigene Digitalisierungsstrategie, um den technologischen Wandel im Finanzsektor zu begleiten. Für 2020 hat sie eine Vielzahl von entscheidenden Treibern für den digitalen Wandel identifiziert. Darunter zählen der vermehrte Einsatz künstlicher Intelligenz und Big Data, die Distributed-Ledger-Technologie (DTL) und die darauf basierenden Kryptowerte sowie die IT- und Cybersicherheit. Primäres Ziel der BaFin ist es, mehr Rechtssicherheit beim Einsatz von Technologien zu schaffen. Durch die Einführung von Kryptowerten als eine neue Kategorie im Kreditwesengesetz (KWG) müssen nun die aufsichtlichen Bestimmungen transparent für die Institute gemacht werden.

Den zweiten übergeordneten Aufsichtsschwerpunkt der BaFin stellt die Integrität des Finanzsystems und Bekämpfung von Finanzkriminalität dar. Problematisch sieht die BaFin hier vor allem die Geldwäscherisiken durch die Verbreitung von Kryptowerten. Die BaFin ist der Meinung, dass vor allem die Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierung die Integrität, Solidität und Stabilität des Finanzsystems stark schädigen kann. Folgende Handlungsfelder hat die BaFin festgelegt:

  • Die Verbreitung von Kryptowerten und die damit verbunden Geldwäscherisiken sollen untersucht werden. Hierzu soll eine vertiefende Analyse durchgeführt werden, in welcher Art und in welchem Umfang Geschäfte mit Kryptowerten abgewickelt werden. Zudem sollen Prüfungen von Präventionsmaßnahmen der Institute gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung durchgeführt werden.
  • Die BaFin übernimmt die Verwaltungspraxis der Erlaubnispflicht neuer Geschäftsmodelle, insbesondere die, die auf der Ausgabe von Token mittels DTL basieren.
  • Details zur Geldwäscheprävention entwickelt die BaFin anhand der Standards der Financial Action Task Force (FATF) weiter.

Des Weiteren sind Kreditinstitute aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsen, der weniger guten Konjunkturprognose in Deutschland sowie des digitalen Wandels gezwungen, über die Nachhaltigkeit ihrer Geschäftsmodelle nachzudenken. Die BaFin wird intensiv die Ertragskraft und Widerstandsfähigkeit der Institute überprüfen. Zum einem wird sie das Risikomanagement der Institute untersuchen und feststellen inwieweit es die notwendige Risikotragfähigkeit gewährleistet. Zum anderen beurteilt sie, wie die Institute ihre eigene Digitalisierung nachhaltig vorantreiben.

Der vierte Aufsichtsschwerpunkt liegt auf der nachhaltigen Finanzwirtschaft (Sustainable Finance). Mit dem finalen Merkblatt im Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken (wir berichteten) hat die BaFin einen ersten Schritt unternommen, damit Institute deren Nachhaltigkeitsrisiken systematisch in ihr Risikomanagement integrieren. Ab 2021 sollen diese durch die Aufsichtsinstrumente der BaFin erfasst und adressiert werden. Im laufenden Jahr 2020 möchte die BaFin sowohl ein Konzept als auch eine Strategie für die Konkretisierung der Integration für das aufsichtliche Ambitionsniveau für das Management von Nachhaltigkeitsrisiken entwickeln.

Für den Geschäftsbereich Bankenaufsicht hat die BaFin gemeinsam mit der Bundesbank die konkreten Schwerpunkte für 2020 ausgearbeitet. Diese gelten für die weniger bedeutenden Institute (Less Significant Institutions – LSI) in Deutschland. Bei der Festlegung der LSI-Schwerpunkte werden unter anderem auch die wesentlichen Schwerpunkte für die bedeutenden Institute (Significant Institutions – SSI), welche der Aufsicht durch die EZB unterliegen, berücksichtigt. Für den LSI-Sektor wurden sechs wesentliche Risiken identifiziert: Zinsrisiken, Geschäftsmodellrisiken, IT-Risiken, Kreditrisiken (auch im Immobiliensektor), Länderrisiken sowie Rechts-, Reputations- und Compliancerisiken. Basierend auf den Risiken ergeben sich für die BaFin folgende aufsichtlichen Schwerpunkte:

  • Nachverfolgung der Stresstests von 2019 von LSIs und Bausparkassen sowie der Umfragen zu Immobilienfinanzierung und Kreditvergabestandards
  • IT-Risiken der Institute

Diese werden wiederum in den oben genannten vier zentralen aufsichtlichen Themenfeldern der BaFin berücksichtigt.

Bei Fragen zu den Aufsichtsschwerpunkten der BaFin, Ihrem Handlungsbedarf und den aktuellen Entwicklungen im regulatorischen Umfeld können Sie sich gern an unser impavidi-Team wenden.

Quelle: BaFin

Weiterführende Informationen

PDF IconAufsichtsschwerpunkte der BaFin für 2020


 

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