29.10.2020: EBA zeigt, wo die regulatorische Reise im Jahr 2021 hingeht.

Arbeitsmappen

Noch im Sommer hatte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) ihr aktuelles Arbeitsprogramm 2020 wegen der Auswirkung der Corona-Pandemie auf den Finanzsektor angepasst. Am 30. September 2020 präsentierte sie nun ihr neues Arbeitsprogramm mit den Aufsichtsprioritäten für das kommende Jahr.

Das Arbeitsprogramm fasst die wichtigsten Ziele, strategischen Arbeitsbereiche sowie Aktivitäten der EBA für 2021 zusammen. Für die Institute gibt es wertvolle Hinweise, mit welchen regulatorischen Themen sie sich im kommenden Jahr schwerpunktmäßig beschäftigen müssen.

Für 2021 legt die EBA sechs strategische Bereiche fest. Sie will:

  1. den Einsatz des Risikoreduzierungspakets und die Umsetzung wirksamer Abwicklungsinstrumente unterstützen,

  2. das Rahmenwerk für den EU-weiten Stresstest überprüfen und aktualisieren,

  3. ein integrierter EU-Datenknotenpunkt werden,

  4. zur tragfähigen Entwicklung von Finanzinnovationen und der operativen Widerstandsfähigkeit im Finanzsektor beitragen,

  5. in der EU eine Infrastruktur zur Leitung, Koordinierung und Überwachung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung aufbauen sowie

  6. Leitlinien zur Berücksichtigung und Steuerung von ESG-Risiken (Environmental, Social, Governance) bereitstellen.

 

Neben den sechs strategischen Bereichen werden die jährlichen Aktivitäten mit den zu erfüllenden Leistungen und benötigten Ressourcen aufgeführt. Für das Jahr 2021 sind insgesamt 37 Aktivitäten vorgesehen. Im Folgenden werden wir auf einzelne Aktivitäten der EBA näher eingehen.

Kapital

Die EBA wird weiterhin die Emissionen des harten Kernkapitals (Common Equity Tier 1 – CET1) überwachen und eine öffentliche Liste von CET1-Instrumenten führen. Zusätzlich wird die EBA mit zahlreichen Interessensgruppen in den Dialog treten, um die Entwicklungen zu verfolgen und Orientierungshilfen im Bereich Kapital und Kapitalemissionen zu geben.

Liquiditätsrisiko

Die technischen Durchführungsstandards (implementing technical standards – ITS) zum Meldewesen wird im Bereich der Liquidität aktualisiert. Weiterhin prüft die EBA, wie die Kreditinstitute und Aufsichtsbehörden die CRR- und RTS-Bestimmungen umgesetzt haben. Bei den Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch (IRRBB) sollen Leitlinien und technische Regulierungsstandards (regulatory technical standards – RTS) gemäß CRR II/ CRD V bereitgestellt werden.

Verschuldungsquote (Leverage Ratio)

Die EBA wird die technischen Standards zur Meldung und Offenlegung der Verschuldungsquote aktualisieren.

Großkredite

Die Arbeit der EBA wird sich auf die geänderten Bestimmungen der CRR II für Großkredite konzentrieren, in dem sie die Mandate entsprechend ihrer Roadmap zum Risikoreduzierungspaket entwickeln wird.

Kreditrisiko

Bezüglich des Kreditrisikos wird die EBA technische Standards, Leitlinien und Berichte zur Berechnung der Eigenmittelanforderungen nach dem Standardansatz und nach dem auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRB) für das Kreditrisiko erstellen. Die EBA wird die Umsetzung ihres IRB-Fahrplans vorantreiben und weiterhin dessen Auswirkungen überwachen.

Marktrisiko

Ein weiterer Schwerpunkt für die EBA wird die Umsetzung des neuen Rahmenwerks für Eigenmittelanforderungen für Marktrisiken sein, wobei sie sich an der Umsetzung des Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) in die CRR II/ CRD V orientieren wird.

Operationelles Risiko (OpRisk) und Wertpapierfirmen

Die EBA wird Mandate entwickeln, die sich aus der neuen Regulierung für Wertpapierfirmen (Investment Firm Directive – IFD, Investment Firm Regulation – IFR) ergeben, welche 2021 umgesetzt werden soll. Darüber hinaus wird die EBA die regulatorischen Anforderungen an das operationelle Risiko überwachen und die Vorbereitungsarbeiten für die Umsetzung des neuen OpRisk-Rahmenwerks vorantreiben.

Abwicklung

Die EBA wurde beauftragt, verbindliche technische Standards, Leitlinien und Berichte zur Abwicklung zu erstellen. Bei der Umsetzung orientiert sie sich an ihrer speziellen Resolution Roadmap. Besonders sei die Erstellung eines MREL-Berichts zu erwähnen, der den Aufbau der MREL-Ressourcen im EU-Finanzsektor überwacht.

Meldewesen

Um ein qualitativ hochwertiges und effizientes aufsichtsrechtliches Meldewesen, einschließlich eines Datenpunktmodells und Validierungsregeln, aufrechtzuerhalten, wird die EBA weiterhin regelmäßige Updates zur Verfügung stellen. Ferner plant die EBA, die Arbeiten an einer Machbarkeitsstudie über ein integriertes EU-Reporting Framework abzuschließen, welches dazu beitragen soll, einen größeren Datenumfang sowie ein effizienteres System für die Sammlung und den Austausch von Daten abzudecken.

Verbriefungen und Nachhaltigkeit

Der neue EU-Rahmen für einfache, transparente und standardisierte Verbriefungen (STS-Verordnung), der im Januar 2019 in Kraft trat, sieht eine große Anzahl von Mandaten für die EBA vor. Die Arbeit wird sich auf die Erstellung technischer Standards, Leitlinien und Berichte für die STS-Verordnung beschränken. Außerdem sind Folgearbeiten im Zusammenhang mit der neuen Leitlinie über gedeckte Schuldverschreibungen geplant. Darüber hinaus wird die EBA einen Beitrag zu den Arbeiten der EU-Kommission im Bereich der nachhaltigen Finanzen leisten, insbesondere im Hinblick auf die Taxonomie nachhaltiger Finanzen und die Standards für grüne Anleihen.

Innovationen und Digitalisierung

Die EBA wird weiterhin Finanzinnovationen beobachten und Bereiche identifizieren, die reguliert werden müssen. Auf die folgenden Bereiche wird sich die EBA vorrangig konzentrieren:

  1. European Forum for Innovation Facilitators (EFIF)

  2. Auswirkungen der FinTechs auf die Geschäftsmodelle sowie Risiken und Chancen für Kreditinstitute

  3. operative Belastbarkeit

  4. regulatorische Hürden für innovative Technologien und Geschäftsmodelle

Des Weiteren wird die EBA ihre Arbeit beim FinTech Knowledge Hub fortsetzen, um den Informations- und Erfahrungsaustausch zu fördern.

 

Für die politische Arbeit gibt die EBA zwei horizontale Prioritäten an. Sie verfolgt das Ziel,

  1. eine Kultur der verantwortungsvollen Unternehmensführung in den Kreditinstituten zu etablieren und

  2. die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu bewältigen.

 

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden die Aufsicht und die Institute weiterhin beschäftigen. Daher bleibt abzuwarten, ob die EBA auch im kommenden Jahr ihr Arbeitsprogramm fortlaufend entsprechend der Entwicklung der Pandemie anpassen wird. Darüber hinaus müssen sich die Kreditinstitute auch im kommenden Jahr mit den neuen Anforderungen, die sich aus der CRR II/ CRD V ergeben, auseinandersetzen. Wir unterstützen Sie bei der Umsetzung der vorgeschriebenen Regularien.

 

Quelle: EBA


 

Weiterführende Informationen

PDF IconEBA Arbeitsprogramm für 2021 (Englisch)


 

Ansprechpartner

Davor Jurak
Geschäftsführer

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