22.09.2020: Rahmenwerk zu NPL-Verbriefungen wird angepasst.

Kreditkarten und Geld

Am 23. Juni 2020 veröffentlichte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision – BCBS) eine Pressemitteilung über die Konsultation des technischen Änderungsantrags zur Kapitalbehandlung von Verbriefungen notleidender Kredite (Capital treatment of securitisations of non-performing loans) und gab den Instituten zwei Monate bis zum 23. August 2020 Zeit, ihre Stellungnahmen dazu einzureichen. Der Entwurf soll eine Lücke im aktuellen Rahmenwerk schließen und legt eine vorsichtige Behandlung von Verbriefungen notleidender Kredite (NPL) mit einer Risikogewichtsuntergrenze von 100 Prozent für diese Forderungen fest. Der BCBS vermerkt in seinem Entwurf, dass er mit dessen Ausarbeitungen vor Covid-19 begann.

Der BCBS liefert folgende Begründung für die Anpassungen:

Der aktuelle Verbriefungsstandard des BCBS wurde unter Verwendung einer Reihe von Verbriefungstransaktionen konzipiert und kalibriert, die alle performanten Vermögenswerte betrafen. Dies suggeriert eine Dominanz solcher Verbriefungen auf dem Markt. Jüngste Beobachtungen zu Verbriefungen, bei denen das verbriefte Portfolio überwiegend aus notleidenden Krediten besteht, haben seither Licht auf eine mögliche Fehlkalibrierung der Risikogewichte geworfen, die für diese Transaktionen unter dem Basel-III-Verbriefungsrahmen gelten. Verbriefungen notleidender Kredite weisen besondere Merkmale auf, die sie von Verbriefungen performanter Vermögenswerte unterscheiden. Diese Unterschiede haben Konsequenzen für die Kalibrierung der Risikogewichte im Rahmen der Verbriefung.

Daher schlägt der Ausschuss eine technische Änderung des Verbriefungsstandards für NPLs vor, ohne dabei die bestehenden Regeln für Verbriefungen performanter Vermögenswerte zu ändern.

Welche Anpassungen möchte der BCBS vornehmen?

  1. Festlegung einer standardisierten Definition von NPL-Verbriefungen als Verbriefungstransaktionen, wenn ein Portfolio zu mindestens 90 Prozent aus ausgefallenen Vermögenswerten besteht: Hierbei sind Wiederverbriefungen ausdrücklich von dieser Definition ausgenommen. Die Definition bildet einen Mindeststandard. Den nationalen Aufsichtsbehörden ist es vorbehalten, strengere Kriterien anzuwenden, insbesondere mit dem vorherrschenden Ziel, regulatorische Arbitrage zu verhindern.

  2. Ein Verbot der Verwendung von Basisparametern des auf internen Ratings basierenden Ansatzes (internal ratings-based - IRB) als Grundlage für den IRB zur Verbriefung von Krediten (securitarisation internal ratings-based approach -SEC-IRBA) für alle NPL-Verbriefungen

  3. Einführung einer 100 prozentigen Risikogewichtsuntergrenze für alle NPL-Verbriefungspositionen

  4. Einführung eines festen Risikogewichts von 100 Prozent, das auf die ranghöchste Tranche qualifizierter NPL-Verbriefungen anwendbar ist: Dabei bezieht sich "qualifiziert" auf traditionelle Verbriefungen, bei denen der nicht rückzahlbare Kaufpreisabschlag (non-refundable purchase price discount - NRPPD) gleich oder größer als 50 Prozent des ausstehenden Betrags der NPLs ist.

  5. In Verbindung mit dem grundsätzlichen Verbot von IRB-Parametern und der Untergrenze von 100 Prozent Risikogewicht gelten die derzeitigen Bestimmungen des Verbriefungsrahmens weiterhin für alle anderen Forderungen bei NPL-Verbriefungen (d.h. für vorrangige Tranchen nicht qualifizierter NPL-Verbriefungen sowie Mezzanine- und nachrangiger Tranchen aller NPL-Verbriefungen).

  6. Banken, denen es nach den derzeitigen Vorschriften erlaubt ist, eine maximale Kapitalanforderung für ihre Verbriefungspositionen in derselben Transaktion anzuwenden, können weiterhin die gleiche maximale Kapitalanforderung wie nach den derzeitigen Vorschriften anwenden. Dies gilt sowohl für ursprünglich kreditgebende Banken- und Sponsorbanken als auch für Investorenbanken, die das SEC-IRBA verwenden.

Der Ausschuss schlägt vor, dass diese Änderung des Verbriefungsstandards spätestens am 1. Januar 2023 in Kraft treten soll.

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) nutzte die Gelegenheit eine Stellungnahme zum Entwurf des BCBS zu veröffentlichen. Laut der DK ist die Quote der notleidenden Kredite ("NPL") im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Sie erwartet, dass diese Entwicklung jedoch durch Covid-19 belastet werden wird. Zudem sind Verbriefungen nach Meinung der DK ein Kernelement zur Entlastung der NPL-Portfolios und um Stabilität der Banken zu erhöhen. Daher ist es wichtig, Maßnahmen zu ergreifen.

Folgende Kritik merkt die DK im Allgemeinen zum Entwurf des BCBS an:

Laut DK bietet der Ansatz des BCBS nicht die Unterstützung, die ihrer Ansicht nach notwendig ist, um den künftigen Anstieg der NPL-Quote gerecht zu werden.

1. Der Vorschlag des BCBS ist nicht risikosensitiv.

  • Durch den Ansatz würden interne Modelle zur Bestimmung des Risikogewichts wegfallen, die nach Meinung der DK jedoch ein Kernelement hinter der Neugestaltung des Verbriefungsrahmens sind.

  • Der Ansatz würde zu einem Preisabschlag führen, der wesentlich höher wäre als der für bilanzielle Forderungen geltende Abschlag (50 Prozent gegenüber 20 Prozent). Der Abschlag würde eine wichtige „Risikoverknüpfung““ wegnehmen und ebenso eine Verzerrung schaffen, indem angenommen wird, dass verbriefte NPLs im Vergleich zu denen in der Bilanz immer schlechter sind.

  • Der Entwurf reduziere die durch externe Rating-Agenturen eingebrachte Glaubwürdigkeit, Expertise und Risikosensitivität. Dadurch gäbe es weniger Datenerhebung und -analyse, was wiederum die Entwicklung des NPL-Verbriefungsmarktes hemmen könnte.

2. Der Baseler Entwurf wird zu niedrigeren Verkaufspreisen von NPLs für Institute führen und sie daran hindern, ihre NPLs zu reduzieren. Das läge daran, dass mit dem Entwurf sich ein Mindestrisikogewicht von 100 % ergeben würde, welches wiederum zu höheren Finanzierungskosten und zu niedrigen Verkaufspreisen führen würde.

3. Die Anpassungen sollte verschoben werden, bis genügend Daten über die Auswirkungen von COVID-19 auf NPLs vorliegen. Die DK hätte erwartet, dass der BCBS die Rekalibrierung der Formeln für den SEC-IRBA und Standardansatz für Verbriefungen (SEC-SA) weiter vorantreiben würde. Ihrer Meinung nach würde der Vorschlag des BCBS jedoch dazu führen, dass höhere Risikogewichte als die derzeit geltenden geschaffen würden und damit weder effizient noch effektiv eine Reduzierung des NPL-Niveaus der Banken bewirken würde. Die DK geht sogar davon aus, dass die Häufigkeit von NPLs in den kommenden Monaten und Jahren zunehmen wird. Daher sollte der BCBS einen breiteren, globalen Datensatz liefern, um auf globaler Ebene angemessene Kapitalbehandlung von verbrieften NPL-Portfolios zu überprüfen.

Folgende Änderungen schlägt die DK für eine künftige Reduktion von NPLs vor:

  1. In Paragraf 45.1 sollte die Definition der Variablen „W“ (definiert nach CRE41.6) und der zugrunde liegende Forderungspool einer NPL-Verbriefung auch alle vollstreckten Sicherheiten einschließen, die ihn besichert haben.

  2. Vom Ermessungsspielraum für eine strengere Definition von NPL-Verbriefungen den der BCBS in Paragraf 45.2 den Instituten einräumt, sollte abgesehen werden. Damit gestatte der Ausschuss laut DK den nationalen Wettbewerbsbehörden die Umsetzung strengerer Kriterien, die zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen führen.

  3. Laut Paragraf 45.3 des Entwurfs des BCBS sollen Banken der Senior-Tranche von NPL-Verbriefungen ein festes Risikogewicht anstelle der Hierarchie von CRE40.41-CRE40.47 zuweisen und den Look-Through-Ansatz verwenden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

    • Es handelt sich um eine traditionelle Verbriefung bei der NPL-Verbriefung.
    • Der zugrunde liegende Forderungspool wurde zu einem auf den ausstehenden Betrag des Forderungspools abgezinsten Preis verbrieft und der Abschlag ist noch an den Auftraggeber oder ursprünglichen Kreditgeber rückzahlbar.
    • Der NRPPD war zum Stichtag der Kreditvergabe gleich oder höher als 50 Prozent des ausstehenden Betrags des Forderungspool.

Allerdings fordert die DK die folgenden Änderungen:

Hierarchie der Ansätze:

    • Für SEC-IRBA sollte das Risikogewicht von 100 Prozent und der NRPPD von mindestens 50 Prozent entfernt werden.
    • Für SEC-SA sollte der Schwellenwert von NRPPD von 50 Prozent auf 20 Prozent gesenkt werden.
    • Das 100-prozentige Risikogewicht für die SEC-ERBA sollte nicht angewendet werden.

Look-Through-Ansatz:

Der Vorschlag der EBA sollte zusammengefasst wie folgt verabschiedet werden:

    • SEC-IRBA: vollständige Berechnung der Nettobasis,
    • SEC-SA: 100 Prozent Risikogewicht, wenn NRRPD mindestens 20 Prozent beträgt

4. In Bezug auf den BCBS Vorschlag zu Paragraf 45.6, dass die Auftraggeber- oder Sponsorbank die in Absatz CRE40.54 festgelegte Obergrenze für die Kapitalanforderungen auf die aggregierte Kapitalanforderung für ihre Forderungen auf dieselbe NPL-Verbriefung anwenden und zusätzlich den Look-Through-Ansatz gemäß Paragraf CRE40.50 für vorrangige Verbriefungspositionen verwenden darf, empfiehlt die DK, dass bei beiden Ansätzen die erwarteten Verluste nach Abzug des NRPPD und aller zusätzlichen spezifischen Kreditrisikoanpassungen berechnet werden sollten.

 

Es bleibt abzuwarten, ob der BCBS den Vorschlägen der DK nachkommt. Insbesondere in Hinblick auf COVID-19 wäre eine weitsichtige Anpassung auf mögliche negative Entwicklungen von NPLs wünschenswert und sollten, auch wenn der Entwurf vor der Krise begonnen wurde, berücksichtigt werden.

Wir halten Sie zu diesem Thema weiter auf dem Laufenden und unterstützen Sie gerne bei den notwendigen Anpassungen, die durch das finale Rahmenwerk verursacht werden.

 

Quellen: BCBS, Deutsche Kreditwirtschaft


 


 

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