13.04.2021: Bankenverband veröffentlicht Positionspapier und plädiert für eine stärkere digitale Souveränität Europas.

Digitalisierung

Am 24. März 2021 veröffentlichte der Bankenverband das Positionspapier „Digitale Souveränität Europas fördern“. Der Bankenverband fordert eine „Stärkung der digitalen Eigenständigkeit [des] Kontinents“. Eine Abschottung in der heutzutage vernetzten Welt sei dabei keine Option, so Krautscheid (Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes). Aus dem Bericht geht hervor, dass es das Ziel Europas sein müsse, die technologische Selbstbestimmung zurückzuerobern.

Dass Europa eine digitale Souveränität benötigt, begründet der Bankenverband unter anderem damit, dass diese eine Grundvoraussetzung sei, damit Europas Wirtschaft ihre Innovations- und damit einhergehende Wettbewerbsfähigkeit langfristig beibehalten könne. Gleichzeitig führt eine mangelnde Souveränität laut Bankenverband zum einen zur Konzentration wirtschaftlicher Macht außerhalb Europas und zum anderen dazu, dass technologisches Know-How bei großen nicht-europäischen Handelsplattformen liegt und diese als Gate-Keeper in der digitalen Wirtschaft operieren können.

Dringender Handlungsbedarf in der Finanzindustrie bezüglich digitaler Souveränität sieht der Bankenverband im Auf- und Ausbau digitaler Kompetenzen in der Infrastruktur-, Daten-, Entscheidungs- und Plattformsouveränität. Dazu gehören nach Ansicht des Bankenverbandes:

  1. Die Überarbeitung wettbewerbsrechtlicher Rahmenbedingungen zur Schaffung eines fairen digitalen Wettbewerbs:

    Viele Online-Plattformen können ihre Größenvorteile, Netzwerke und Datenbestände nutzen, um ihre Dienstleistung zu verbessern und ihre Geschäftsfelder auszuweiten. Banken sind auf die Kooperation mit Online-Plattformen angewiesen. Wenn letztere dabei ihre Gate-Keeper-Funktion nutzen, verlieren Banken den direkten Kundenzugang an diese Plattformen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse es laut Bankenverband, Banken erleichtert werden Technologienentwicklungen und neue Geschäftsmodelle zu betreiben. Gleichzeitig muss eine Wettbewerbsfähigkeit daraus resultieren, sodass Gate-Keeper-Plattformen keine Möglichkeit haben den Zugang zu technischen Infrastrukturen ihrer Plattformen für Drittanwendungen zu limitieren und sollten ebenso zu mehr Transparenz verpflichtet werden.

  2. Förderung der europäischen IT-Anbieterlandschaft, zum Beispiel beim Cloudbanking:

    Dazu sind europäische Standards sowie die Abschaffung regulatorischer Hürden von enormer Wichtigkeit. Im Sinne der Datensouveränität gab es bereits einen Fortschritt mit der Öffnung der Schnittstellen im Zahlungsverkehr seit dem Inkrafttreten der PSD2 (EU-Zahlungsrichtlinie), welche allerdings auf die Finanzwirtschaft begrenzt ist. Im nächsten Schritt sollte, laut Bankenverband, eine Schnittstellenöffnung für alle Branchen, insbesondere im Technologiebereich durchgesetzt werden. Oftmals erschweren regulatorische Herausforderungen die schnelle, effiziente und regelkonforme Umsetzung von Cloud-Projekten. Dabei sollten vor allem auch europaweit einheitliche Regelungen geschaffen werden. Nicht zu vergessen sind dabei ein gemeinsames Verständnis von Risiken und deren Bewertung. Zudem sollten Abhängigkeiten von sehr großen globalen Cloudinfrastrukturanbietern minimiert werden. Dies ginge zum Beispiel durch industrieübergreifende Standards, die eine grundsätzliche Übertragbarkeit der Daten zwischen den Anbietern sicherstellen würden.

  3. Förderung der Datenökonomie, zum Beispiel durch die Schaffung eines branchenübergreifenden Datenrahmens:

    Bezüglich der in Punkt 2 genannten Datensouveränität spielt die Förderung der Datenökonomie eine wichtige Rolle, insbesondere durch die Schaffung eines branchenübergreifenden Datenrahmens, da in einer digitalisierten Wirtschaft Daten ein strategischer Produktions- und Wettbewerbsfaktor sind. Sektorspezifische Ansätze könnten laut Bankenverband das Ungleichgewicht erhöhen. Beispielsweise schaffe der aktuelle Rechtsrahmen Asymmetrien, bei denen u.a. Technologiekonzerne als Daten-Gate-Keeper agieren, sodass Banken einseitig den Zugang zu Kundendaten gewähren müssen. Laut Bankenverband braucht Europa einen einheitlichen Rechtsrahmen, der den Austausch von Daten über sowohl Unternehmen als auch Industrien hinweg ermöglicht.

  4. Förderung der Cybersicherheit, um das Vertrauen in die digitale Wirtschaft zu stärken:

    Der Bankenverband merkt an, dass es in den letzten Jahren mehr und mehr Cybervorfälle gab. Dies wird besonders durch neue technologische Entwicklungen sowie die stärkere Vernetzung von Unternehmen begünstigt. Aber auch Cyberkriminelle und Angreifer lernen dazu. Im Finanzsektor sind Cyberangriffe das größte operationelle Risiko. Daher muss hier unbedingt eine bessere Widerstandsfähigkeit geschaffen werden. Des Weiteren muss mehr in die Ausbildung von IT-ExpertInnen investiert werden, um auch in Zukunft ein hohes Sicherheitsniveau zu gewährleisten. Mit zunehmender Digitalisierung hängt mehr und mehr von den Kompetenzen im Bereich von künstlicher Intelligenz ab, da Geschäftsmodelle zunehmend auf der Auswertung riesiger Datenmengen durch komplexe Algorithmen basieren. Hier nehmen vor allem China und die USA eine führende Position ein. Das Problem fehlender Kompetenz auf diesem Gebiet in Europa würde langfristig dazu führen, dass Technologien ohne Prüfungsmöglichkeit eingekauft werden müssten.

  5. Einführung eines programmbierbaren Euros, um die digitale Transformation für Industrieunternehmen zu unterstützen:

    Die Einführung eines digitalen Euros (Wir berichteten) sieht der Bankenverband als äußerst wichtig an, um eine Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen. Durch neue Technologien werden sich Wirtschaftsabläufe und damit auch Bezahlvorgänge in Zukunft verändern. Gleichzeitig darf die Integration des digitalen Euros nicht die Stabilität und Widerstandfähigkeit der Geld- und Währungsordnung gefährden.

  6. Einführung eines digitalen ID Ökosystems:

    Letztlich schlägt der Bankenverband die Schaffung eines ID-Ökosystems vor. Dafür müssen sichere, rechtlich anerkannte und wiederverwendbare digitale Identitäten geschaffen werden. Auch hier muss ein einheitlicher und übersichtlicher Rahmen für Europa geschaffen werden.

Bereits im letzten Jahrzehnt hat sich das Bankengeschäft durch die Digitalisierung grundlegend verändert. Um jedoch weiter am Wettbewerb teilzunehmen und gleichzeitig die Cybersicherheit nicht zu vernachlässigen, muss sowohl technisch als auch regulatorisch noch viel getan werden. Wir halten Sie zu den weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden.

Quelle: Bankenverband

Weiterführende Informationen

PfeilPositionspapier Bankenverband


 

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Janine Otto

Davor Jurak
Geschäftsführer

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