23.03.2021: Der regulatorische Dschungel zu Sustainable Finance – dem Ziel ein Stück näher sein (Teil 2)

Nachhaltigkeit

In Teil 1 unseres Beitrags berichteten wir, dass eine nachhaltigere Wirtschaft ein erklärtes Ziel der Europäischen Union ist und haben die seit 10. März anzuwendende Verordnung (EU) 2019/2088 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor vorgestellt. Ebenso wichtig wie die Offenlegungspflichten sind einheitliche Kriterien zur Identifizierung von dem, was als nachhaltig gilt, sowie ein einheitliches Verständnis der Kriterien. Daher möchten wir im zweiten Teil unseres Beitrags kurz auf die Konsultation der Screening-Kriterien von Ende 2020 eingehen.

Am 12. Juli 2020 trat die Taxonomie-Verordnung in Kraft. Für die darin enthaltenen ersten beiden Umweltziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel wurde entsprechend Ende 2020 die Delegierten Rechtsakte zur Konsultation veröffentlicht, inklusive der beiden Anhänge mit den technischen Screening-Kriterien. Der finale Entwurf steht jedoch noch aus. Das Klassifizierungssystem soll für mehr Transparenz sorgen und eine „gemeinsame Sprache“ schaffen. Die Konsultation beinhaltet Aktivitäten, die zur Eindämmung oder Anpassung des Klimawandels beitragen. Es handelt sich weder um eine obligatorische Liste noch um ein Standard- oder Ausschlussliste. Sie dient als Liste von wirtschaftlichen Aktivitäten, die als nachhaltig im Sinne der Taxonomie gesehen werden, die wiederum auf den Empfehlungen der Technical Expert Group (TEG) basieren, welche im März 2020 veröffentlicht wurden. Die weiteren Entwicklungen hierzu bleiben noch abzuwarten. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Mitte Dezember 2020 nahm die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) Stellung zur Konsultation. Die wichtigsten Punkte möchten wir im Folgenden kurz aufzeigen:

Die DK betont, dass eine eindeutige Definition der Taxonomie besonders wichtig sei, um eine korrekte Handhabung der technischen Screening-Kriterien zu gewährleisten. Laut DK erfülle der Entwurf durch seine Komplexität und vielen Querverweisen diese Anforderung nicht, da diese schwer zu verstehen und umzusetzen seien und dadurch viele Institute einen hohen Umsetzungsaufwand hätten und einen Nachhaltigkeitsberater beauftragen müssten. Entsprechend bittet sie die Kommission, mehr Klarheit zu schaffen.

Des Weiteren schlägt die DK vor, dass für Unternehmen, die nicht der Non-Financial Reporting Directive (NFRD) unterliegen, eine Methode entwickelt werden soll, nach der die Institute branchenspezifische Schätzungen und Proxy-Werte verwenden können, um Datenlücken für Unternehmen zu schließen, die diese Werte nicht liefern.

Zusätzlich fordert die DK, die Methoden für die einzelnen Wirtschaftszweige einheitlicher zu gestalten, um eine Vergleichbarkeit der CO2-Bilanzierungsmethoden zu schaffen.

Weiterhin bittet sie darum, aufgrund der kurzen Umsetzungsfrist zum 01.01.2022 die Vorgaben nur für neue Geschäfte und nicht für bereits abgeschlossene Geschäfte geltend zu machen. Gleichzeitig fordert sie eine gesetzliche Klarstellung, dass die Offenlegungspflicht erst für die Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2022 beginnen, in Kraft tritt.

Ebenso merkt die DK an, dass für eine anwendbare Taxonomie im Bausektor zunächst ein harmonisierter nationaler und europäischer Rahmen erforderlich wäre, um vergleichbare Standards zu schaffen (beispielsweise geben nicht alle Länder Energieausweise zu den Effizienzklassen von Gebäuden aus). Parallel sollte ein öffentliches Register geschaffen werden, wo die notwendigen Daten gesammelt werden und abrufbar sind.

Abschließend kann man festhalten, dass die DK einige wichtige Punkte anspricht. Inwiefern es noch Änderungen geben wird, wird sich zeigen. Die Taxonomie-Verordnung, die ab dem 01.01.2022 für die beiden Umweltziele Klimawandel und Anpassung an den Klimawandelt gilt, lässt nicht mehr viel Umsetzungszeit. Gleichzeitig werden 2021 weitere Konsultationen und daraus folgende Delegierte Rechtsakte für die anderen vier Umweltziele (Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung, Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme) erwartet, die planmäßig ab dem 1. Januar 2023 verpflichtend anzuwenden sind. Somit bleibt keine Erholungsphase.

Wir sind gespannt auf die weiteren Entwicklungen beim Thema Sustainable Finance und werden Sie weiter auf dem Laufenden halten.

Quelle: BaFin, DK, EBA


 

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