10.09.2021: Nachhaltigkeit steht weiter im Fokus der Aufsicht.

Gras auf Asphalt

Am 02. August 2021 veröffentlichte die BaFin einen Entwurf für eine Richtlinie für nachhaltige Investmentvermögen, den sie zur Konsultation stellte. Die Stellungnahmen konnten bis zum 06. September 2021 eingereicht werden. Als Grund für die Erarbeitung der Richtlinie nennt die BaFin, dass es steigendes Interesse an nachhaltig ausgerichteten Fondprodukten gibt und dadurch auch die Anzahl an nachhaltig vertriebenen Investmentvermögen steigt. Das Problem dabei ist, dass es weder national noch auf europäischer Ebene Regelungen gibt, unter welchen Kriterien ein Investmentvermögen als nachhaltig vertrieben werden darf und damit die Gefahr des „Greenwashings“ entsteht. Durch Greenwashing wird einem Produkt oder Unternehmen ein umweltfreundliches („grünes“) Image verliehen, ohne dass die dafür notwendigen Grundlagen wirklich vorhanden sind.

Der Entwurf der Richtlinie ist u.a. aufgeteilt in den Anwendungsbereich und den Anforderungen an nachhaltige Investmentvermögen und zeigt aber auch Negativbeispiele auf.

Die Richtlinie muss dann angewendet werden, wenn Investmentvermögen in der Namensgebung einen Nachhaltigkeitsbezug aufweisen und/oder als nachhaltig vertrieben werden. Es liegt laut Richtlinie nur ein nachhaltiges Produkt vor, wenn Nachhaltigkeitsgesichtspunkte als Hauptmerkmal bei der Verwaltung des Vermögens vorliegen. Nachhaltigkeit darf kein unbedeutendes Merkmal neben vielen anderen Aspekten sein.

Folgende Anforderungen müssen u.a. erfüllt sein, wenn ein Investmentvermögen als nachhaltig im Sinne der Richtlinie gelten soll:

  • mindestens 75% müssen in nachhaltige Vermögensgegenstände investiert sein. Dies muss in den Anlagegrenzen geregelt sein,
  • die Anlagebedingungen müssen Angaben enthalten, welche Vermögensgegenstände genau als nachhaltig gelten,
  • die Vermögengegenstände müssen nach Art. 2 Nr. 17 SFDR nachhaltig sein,
  • je nach Produktart müssen teilweise Ausschlusskriterien in den Anlagebedingungen sichergestellt werden:
    • sie müssen beispielsweise einen wesentlichen Beitrag zu Verwirklichung von Umwelt- oder Sozialzielen gemäß Art. 2 Nr. 17 der Verordnung (EU) 2019/2088 leisten bzw. Umweltziele nach Art. 9 der Verordnung (EU) 2020/852 und
    • dürfen nicht zur erheblichen Beeinträchtigung dieser beitragen.

Als Alternative zu einer Anlagegrenze von 75 % für nachhaltige Vermögensgegenstände, kann die Kapitalverwaltungsgesellschaft auch in den Anlagebedingungen erklären, dass sie bei mindestens 75 % des Investmentvermögens Nachhaltigkeitsfaktoren besonders berücksichtigt oder für das gesamte Investmentvermögen eine nachhaltige Anlagestrategie verfolgt. Die Nachhaltigkeitsfaktoren bzw. die Anlagestrategie müssen dann in den Anlagebedingungen näher beschrieben werden.

Ausgeschlossen von allen genannten Vorgaben sind Investmentvermögen, die vor dem Zeitpunkt der veröffentlichten Konsultation genehmigt wurden.

Wir freuen uns, dass die Aufsicht mit der Richtlinie eine Möglichkeit schaffen möchte, das Greenwashing von Investmentvermögen zu vermeiden.

Quelle: BaFin

Weiterführende Informationen

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