09.11.2021: RTS zu Kreditrisikoanpassungen zur Berechnung des Risikogewichts von ausgefallenen Krediten auf dem Prüfstand

Kreditkarten mit Hartgeld

Vom 24. Juni 2021 bis 24. September konsultierte die EBA (Europäische Bankenaufsichtsbehörde) Änderungen der RTS zu Kreditrisikoanpassungen im Zusammenhang mit der Berechnung des Risikogewichts von ausgefallenen Krediten im Rahmen des Standard-Ansatzes (EBA/CP/2021/25).

Die EBA begründet die Änderungen mit dem Aktionsplan der Europäischen Union zur Bekämpfung notleidender Kredite (NPE – Non-Performing-Loans) nach der Corona-Pandemie vom 16. Dezember 2020. Darin ist vorgesehen, dass die EBA die Behandlung des Risikogewichts (RW) für ausgefallene Forderungen nach Verkauf eines notleidenden Vermögenswertes auf Angemessenheit überprüft. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass unter bestimmten Bedingungen ein 100 %iges RW (anstelle des normalen 150 % RW) angewendet werden kann, wenn die Rückstellungen mehr als 20 % einer Forderung abdecken.

Auf Grund der Pandemie rechnet man mit einer steigenden Anzahl von NPEs, möchte jedoch gleichzeitig den Abbau fördern. Mit den Änderungen soll sichergestellt werden, dass der aufsichtsrechtliche Rahmen keine negativen Anreize für den Verkauf notleidender Vermögenswerte schafft. Daher wird vorgeschlagen, dass Kaufpreisabschläge im Rahmen eines Verkaufs von notleidenden Forderungen, die durch den Käufer vorgenommen werden, als zu berücksichtigende (spezifische) Wertberichtigung angerechnet werden können.

Mit der Umsetzung der Änderungen durch die Anpassung der RTS, beabsichtigt die EBA eine Klarstellung der aufsichtsrechtlichen Behandlung von verkauften NPL-Vermögenswerten. Gleichzeitig empfiehlt sie aber, dass die Änderungen in die Überlegungen der Kommission im Rahmen des später geplanten Vorschlags für die Eigenkapitalverordnung (CRRIII – Capital Requirements Regulation) mit aufgenommen wird.

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) nutzte die Konsultation, um ihre Kritik am Entwurf zu äußern.

Ihr Kritikpunkt: In Artikel 1 Absatz 1 der Delegierten Verordnung (EU) 183/2014 wird festgelegt, dass die zum Berichtszeitpunkt bestehende Risikovorsorge nur dann in die Berechnung der allgemeinen und spezifischen Kreditrisikoanpassungen einfließen kann, wenn:

  • der Zwischen- oder Jahresverlust vom harten Kernkapital eines Instituts abgezogen wurde,
  • das Institut eine Genehmigung hat den Zwischen- oder Jahresgewinn in das Kernkapital gemäß Art. 26 Absatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 einzubeziehen oder
  • der Zwischen- oder Jahresgewinn nicht gemäß Artikel 26 Absatz 2 der genannten Verordnung genehmigt wurde, gleich eine entsprechende sofortige Verringerung des Kernkapitals für die Ermittlung der Eigenmittel vorgenommen wird.

Dies bedeutet, dass Institute mit Zwischen- oder Jahresgewinn, welche freiwillig auf die stichtagsbezogene Gewinnermittlung verzichten, den aktuellen Stand der gebildeten Risikovorsorge in ihrer Rechnungslegung nicht berücksichtigen dürfen. Allerdings würde laut DK gerade die Risikovorsorge ein realistisches Bild der Solvenz der Institute aufzeigen. In der Praxis würde diese Regelung bedeuten, dass neu gebildete Risikovorsorgen entweder wieder vom harten Kernkapital abgezogen werden müssen oder aber ein Antrag auf Zuweisung von „Null“ Zwischengewinn bei der Aufsichtsbehörde gestellt werden muss. So könne beispielsweise bei einem vernachlässigbaren Zwischenverlust die neue Risikovorsorge in unbegrenzter Höhe berücksichtigt werden. Im Gegenteil dazu wäre dies bei einem vernachlässigbaren Zwischengewinn ohne aufsichtliche Genehmigung nicht möglich oder das Institut müsste die neue Risikovorsorge vom harten Kernkapital abziehen.

Die DK kann die unterschiedliche Behandlung von Zwischenverlust und Zwischengewinn nicht nachvollziehen und bittet daher um Prüfung einer Änderung des Artikels 1 Absatz 1 der Delegierten Verordnung (EU) 183/2014 der Kommission und macht dazu den konkreten Vorschlag den Teil:

“or, in the event of interim profits or year-end profits that have not been approved in accordance with Article 26(2) of that Regulation, by way of a corresponding immediate reduction in Common Equity Tier 1 capital for the determination of own funds.” ("oder, im Falle von Zwischengewinnen oder Jahresendgewinnen, die noch nicht gemäß Artikel 26 Absatz 2 der genannten Verordnung anerkannt wurden, wenn das harte Kernkapital für die Bestimmung der Eigenmittel unmittelbar um die entsprechenden Beträge vermindert wird.“)

mit dem Folgendem zu ersetzen:

“or, in the event of interim profits or year-end profits, when the requirements of Article 26(2)(a) of that Regulation are met.” ("oder, im Falle von Zwischengewinnen oder Jahresendgewinnen, wenn die Anforderungen des Artikels 26 Absatz 2 Buchstabe a der genannten Verordnung erfüllt sind.").

Ähnliche Kritik äußerte auch die European Association of Co-Operative Banks (EACB) und bringt ebenfalls einen Formulierungsvorschlag vor.

Rund einem Monat nach der Konsultation bleibt zunächst noch abzuwarten, ob der Kritikpunkt im finalen Dokument Berücksichtigung findet. Eine Gleichbehandlung von Gewinn und Verlust für die Institute würden wir ebenfalls begrüßen.

Quelle: EBA, DK, EACB


 

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