12.02.2019: BaFin führt Marktuntersuchung zu MiFID II durch.

Untersuchung mit Lupe

Genau ein Jahr nach der Anpassung der in Kraft getretenen Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II) führt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im 1. Quartal 2019 eine erneute Überprüfung durch. Dadurch erhofft sie sich, herauszufinden, wie die neuen Regelungen in der Praxis umgesetzt wurden. Nachdem sich bei der letzten Marktuntersuchung einige Startschwierigkeiten gezeigt hatten, erwartet die BaFin diesmal eine positive Entwicklung.

Besonders kritisch werden die eingeführten Verhaltenspflichten wie die Telefonaufzeichnung, die Geeignetheitserklärung und die ex-ante Offenlegung der Kosten betrachtet, auf die wir im Folgenden eingehen:

1. Aufzeichnung der Kommunikation:

Seit dem Inkrafttreten von MiFID II im Januar 2018 müssen sowohl Telefongespräche als auch die elektronische Kommunikation in Bezug auf Annahme, Übermittlung und Ausführung von Kundenaufträgen aufgezeichnet werden. Dies bedeutete für die Wertpapierdienstleistungsunternehmen einen zusätzlichen hohen bürokratischen Aufwand. Zudem muss im Falle einer Aufzeichnung der Kunde vorab informiert und seine Einwilligung eingeholt werden.

2. Geeignetheitserklärung

Mit den neuen Regelungen müssen die Wertpapierdienstleistungsunternehmen schriftlich festhalten, in welchem Umfang die Empfehlungen mit den Anlagezielen und den persönlichen Umständen des Kunden zusammenpassen. Wie wir in unserem Beitrag „EU fordert eine nachhaltige Anlagenberatung“ vom 23.07.18 berichteten, spielen seit letztem Jahr auch die sogenannten ESG-Faktoren (Environmental, Social, Governance) eine wichtige Rolle, um nachhaltige Investitionen zu fördern. Hierzu hatte sich die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) kritisch geäußert und den zusätzlichen Aufwand sowohl bei Beratungsgesprächen als auch bei der Begründung der Produktauswahl zu bedenken gegeben. Jedoch betrachtet die BaFin eine nachhaltige Finanzwirtschaft als äußerst wichtig und ist der Meinung, dass Klima-, Umwelt- und soziale Veränderungen Risiken für den Finanzmarkt und deren Teilnehmer bergen können. Zudem soll eine nachhaltige Finanzwirtschaft zu der Realisierung der Umweltziele beitragen. Es bleibt daher spannend, ob die BaFin mit der Umsetzung der Anforderungen zufrieden ist.

3. Ex-ante Offenlegung der Kosten

Zusätzlich sind dem Kunden sämtliche Kosten von Wertpapieren und Wertpapierdienstleistungen vor Geschäftsabschluss transparent offen zu legen. Dies soll es dem Kunden ermöglichen, die Produkte besser zu vergleichen. Die Offenlegung sollte nach den Regelungen auch eine klare Trennung zwischen den Kosten des Produktes und der Dienstleistung beinhalten. Eine besondere Schwierigkeit besteht bei Wertpapiergeschäften, die telefonisch oder per Fax aufgegeben werden. Hier müssen die Institute praxistaugliche Lösungen entwickeln, ihrer Pflicht zur Vorab-Information nachzukommen.

 

Für die Marktuntersuchung plant die BaFin eine Überprüfung von insgesamt 40 Wertpapierunternehmen u.a. Privat- und Auslandsbanken, Genossenschaftsbanken sowie Sparkassen, die bis zum 22.02.2019 Zeit haben, jeweils 10 Geschäftsvorfälle offenzulegen.

Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse die Marktuntersuchung liefert. Die neuen Anforderungen bedeuten für die Institute einen nicht zu unterschätzenden Implementierungsaufwand. Dies betrifft unter anderem die Auswirkung auf die technische Erfassung der Beratung, den Beratungsablauf an sich sowie die Berücksichtigung der Ergebnisse bei der Produktempfehlung. Das Team von impavidi unterstützt Sie dabei sowohl bei der technischen als auch fachlichen Umsetzung.

 

Quelle: BaFin


 

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