10.06.2020: Institute müssen spezielle Melde- und Offenlegungspflichten zu Zahlungsmoratorien erfüllen.

Uhr und Stapel Münzen

Während der Corona-Krise wurden zahlreiche aufsichtliche Maßnahmen zur Entlastung der Kreditinstitute ergriffen, um die Versorgung der Realwirtschaft mit Liquidität sicherzustellen. Als wesentlicher Baustein gelten die EBA-Leitlinien vom 02.04.2020 zu allgemeinen gesetzlichen und nicht-gesetzlichen Zahlungsmoratorien (EBA/GL/2020/02), worüber wir in unserem Corona-Update vom 04.05.2020 berichteten. Damals hatte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) betont, dass sie von den Instituten erwarte, die durchgeführten Maßnahmen zu möglichen Moratorien ausführlich zu dokumentieren. Institute müssen Angaben zur Anzahl der betroffenen Schuldner, zu betroffenen Verträge, zur genauen Ausgestaltung der Kriterien für das Moratorium, etc. machen und zu einem späteren Zeitpunkt an die Aufsicht berichten.

Die eingeführten Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise haben zu einigen Informationsdefiziten im aufsichtsrechtlichen Meldewesen und in der Offenlegung geführt. Um diese Informationslücke zu schließen, entwickelte die EBA-Leitlinien zur aufsichtlichen Meldung und Offenlegung von Engagements (EBA/GL/2020/07), die den Maßnahmen unterliegen, welche zur Bewältigung der Corona-Krise umgesetzt wurden. Sie wurden am 02.06.2020 veröffentlicht. Neben den allgemeinen gesetzlichen und nicht-gesetzlichen Moratorien für Darlehensrückzahlungen betrifft dies auch öffentliche Garantien in den EU-Mitgliedstaaten. Mit den Leitlinien verfolgt die EBA das Ziel, sowohl für die nationalen Aufsichtsbehörden als auch für die breite Öffentlichkeit die Qualität der Aktiva in den Bilanzen der Institute und ihr Risikoprofil im Zusammenhang mit der Corona-Krise angemessen darzustellen. Es soll sichergestellt werden, dass die erforderlichen Mindestinformationen zur Überwachung und Bewertung der mit den Aktivitäten der Banken verbundenen Risiken der Aufsicht zur Verfügung stehen und dass gleichzeitig die Transparenz und Marktdisziplin für Investoren erhöht wird.

Mit den Leitlinien zur COVID-19 Meldung und Offenlegung wurden drei Anhänge veröffentlicht:

  • Annex 1: Meldevordrucke
  • Annex 2: Anweisungen zu COVID-19-Meldung
  • Annex 3: Vordrucke zur Offenlegung

Diese Vorlagen decken die folgenden Elemente ab:

  1. Meldepflichten zur Überwachung der Anwendung von Zahlungsmoratorien und der Entwicklung der Kreditqualität der Forderungen, die solchen Moratorien unterliegen, in Übereinstimmung mit den Leitlinien EBA/GL/2020/02,

  2. Offenlegungspflichten für Forderungen, die den Zahlungsmoratorien in Übereinstimmung mit den Leitlinien EBA/GL/2020/02 unterliegen,

  3. Melde- und Offenlegungspflichten bei neuen Darlehen, die öffentlichen Garantieregelungen unterliegen, die als Reaktion auf die Corona-Krise angewandt wurden,

  4. Meldepflichten für andere Stundungsmaßnahmen, die als Reaktion auf die Corona-Krise angewandt wurden.

Bei der Entwicklung dieser Berichts- und Offenlegungsvorlagen hat die EBA auf die Verhältnismäßigkeit geachtet, die der Größe, Art und Komplexität eines Institutes sowie den Besonderheiten des Finanzsektors der jeweiligen Mitgliedstaaten Rechnung trägt.

Diese zusätzlichen Melde- und Offenlegungspflichten sind zeitlich begrenzt, da sie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie eingeführt werden. Die Berichterstattung soll voraussichtlich für einen Zeitraum von 18 Monaten erfolgen. Der erste Meldestichtag für das Reporting und die Offenlegung wird der 30.06.2020 sein. Die Einreichung der Meldungen soll vierteljährlich erfolgen. Die Offenlegung ist halbjährlich für die Stichtage 30.06. und 31.12. vorgesehen.

Um die Datenerhebung und -übermittlung zu erleichtern, wird die EBA im Juni 2020 ein technisches Paket (Release 2.10) inkl. Validierungsregeln, Datenpunktmodell (DPM) und XBRL-Taxonomie zur Verfügung stellen. Allerdings müssen die Meldungen nicht zwingend im XBRL-Format erfolgen.

Institute in Mitgliedsländern ohne Moratorien gemäß den Leitlinien EBA/GL/2020/02 oder ohne öffentlichen Garantiemaßnahmen für Neukredite brauchen die zusätzlichen Melde- und Offenlegungsinformationen nicht einreichen.

Unser impavidi-Team unterstützt Ihr Institut bei der Umsetzung der aufsichtsrechtlichen Melde- und Offenlegungsanforderungen für hinsichtlich Zahlungsmoratorien und öffentlichen Garantien.

 

Quelle: EBA


 

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