22.01.2020: Renaissance des Kreditregisters im Meldewesen – BMF legt Weichen für neue Meldepflicht bei Wohnimmobilienfinanzierungen.

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Die Einrichtung eines Kreditregisters wird bereits seit längerer Zeit intensiv diskutiert und war ursprünglich bereits im Zuge der Implementierungsstufen von AnaCredit vorgesehen, wurde jedoch nie abschließend realisiert. Hintergrund der gewünschten Sammlung von granularen Daten bei Wohnimmobilienfinanzierungen war es, vor allem makroprudenzielle Maßnahmen bei Gefahren für die Finanzstabilität einzuleiten, wozu detaillierte Analysen für die jeweiligen Kredite erforderlich sind. Im Zuge der Umsetzung des Finanzaufsichtsrechtergänzungsgesetzes wurden diese Instrumente als mögliche Eingriffe durch Finanzaufseher bereits geschaffen, jedoch bislang noch kein Kreditregister im Meldewesen verankert, um daraus beispielsweise rechtzeitig Indikationen für drohende Immobilienblasen erkennen zu können. Bereits am 29.11.2019 wurde im selben Kontext ein Referentenentwurf für eine Wohnimmobiliendarlehensrisikoverordnung publiziert.

Flankierend dazu stellte am 20.12.2019 das Bundesministerium der Finanzen (BMF) einen weiteren Referentenentwurf für eine Verordnung zur Durchführung von Datenerhebungen durch die Deutsche Bundesbank zur Erfüllung der Aufgaben nach dem Finanzstabilitätsgesetz (Finanzstabilitätsdatenerhebungsverordnung, FinStabDEV) zur Konsultation, der mit folgender Eingangsformel beginnt:

„Für die erfolgreiche und rechtzeitige Identifizierung von Gefahren für die Finanzstabilität ist die regelmäßige Verfügbarkeit der hierzu erforderlichen Daten von besonderer Bedeutung. Der Wohnimmobilienmarkt spielt in Deutschland gesamtwirtschaftlich eine gewichtige Rolle. Die Analyse und Bewertung vom Wohnimmobilienmarkt ausgehender systemischer Risiken für das deutsche Finanzsystem ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Überwachung der Finanzstabilität.“

Weiter wird in dem Referentenentwurf ausgeführt, dass für die Zwecke der laufenden Analyse zur Überwachung der makroprudenziellen Risikolage im Bereich neu vergebener Wohnimmobilienfinanzierungen bisher detaillierte, regelmäßig und standardisiert erhobene Daten fehlen würden. Die Deutsche Bundesbank soll daher künftig ermächtigt werden, relevante Daten mittels einer geeigneten Meldung von den Instituten zu erheben. 

Als zu meldende Daten werden u.a. folgende Attribute (mehr als 19 Attribute, jedoch mit unterschiedlichen möglichen Ausprägungen) aufgeführt:

  • Marktwert der Wohnimmobilie
  • Darlehensvolumen-Immobilienwert-Relation
  • Realisierungsquote nach Verwertung
  • Ausfallquote
  • Anteil notleidender Darlehen
  • Gesamteinkommen des Darlehensnehmers
  • Quotienten aus Schuldendienst und Einkommen
  • Lage der Immobilie

Die Meldung kann einmalig oder regelmäßig (auch monatlich) von der Bundesbank eingefordert werden. Es sollen nach Möglichkeit von einem externen Abschlussprüfer geprüfte Zahlen gemeldet werden.

Die Konsultation läuft bis zum 31.01.2020. Ein Jahr nach Veröffentlichung müssten die Daten zum ersten Mal gemeldet werden. Das bedeutet, dass mit einer Erstanwendung Anfang/Mitte 2021 zu rechnen ist.

Der erneute Vorstoß kann dahingehend bewertet werden, dass die Finanzstabilität aufgrund der Entwicklungen bei Wohnimmobilienfinanzierungen nicht mehr im selben Maße als zuvor gegeben ist. Für die betroffenen Institute, Versicherer und Fonds der Kreditwirtschaft ergeben sich dadurch wieder hohe und zum Teil auch neue Anforderungen an die Datenhaltung sowie den Meldeumfang, so dass eine frühzeitige Beschäftigung mit der Thematik dringend zu empfehlen ist.


 

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